Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Hoffnung am Inn

Politik / 01.05.2018 • 20:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Hoffnung der Grünen ruht am kommenden Sonntag auf Innsbruck. Urgestein Georg Willi rittert mit der amtierenden Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer um den Chefsessel im Rathaus. Das Duell zwischen einem bürgerlichen Grünen und einer Urban-Bürgerlichen wird spannend. Beide werben bürgernah und verbindend. Das werden sie auch sein müssen, denn ihre Parteien haben bei der Wahl lediglich 24 bzw. 16 Prozent der Wählerstimmen geholt. Selbst mit der zweitstärksten FPÖ geht sich so keine Zweierkoalition aus.

Eine erstaunlich langlebige politische Karriere könnte mit der Bürgermeisterwahl gekrönt werden. Als Willi 1989 erstmals in den Innsbrucker Gemeinderat einzog, scheiterte in Vorarlberg sein Parteifreund Kaspanaze Simma mit den Vereinten Grünen am Wiedereinzug in den Vorarlberger Landtag. Nach der Vereinigung mit der Alternative Liste Österreich schafften beide den Sprung in die Landesparlamente. Willis Weg führte dann über den Nationalrat zurück in seine Heimatstadt und trotz interner Streitereien sowie Abspaltungen und Parteiaustritten geht er als Nummer Eins in die Stichwahl.

Dieser Triumph zeigt gleichzeitig schmerzlich die Versäumnisse der Grünen. Statt Bundesregierung und Bundespräsident mehr Augenmerk auf die größeren Städte hätte das Erfolgsrezept gelautet. Kann doch in den Gemeinden sowohl Bürgervertrauen als auch politisches Personal und gestalterische Erfahrung gewonnen werden. Der hohe Anteil an jungen und gebildeten Menschen bildet in der Universitätsstadt Innsbruck die Grundlage für grüne Erfolge. Hinzu kommt die traditionelle Zersplitterung des bürgerlichen Lagers in Form von zahlreichen ÖVP-Ablegern vom Tiroler Arbeitsbund über den Innsbrucker Mittelstand und dem Tiroler Seniorenbund bis hin zur Liste Für Innsbruck. Mit ihr eroberte VP-Rebell Herwig van Staa den Bürgermeistersessel, als Landeshauptmann kehrte er jedoch zur ÖVP zurück. 2018 braucht die sonst erfolgsverwöhnte Agrarpartei endlich eine Strategie im urbanen Raum. Doch am kommenden Sonntag müssen sie noch einmal zusammenrücken, am besten mit den Freiheitlichen, um den Verlust des Bürgermeisteramts an die Grünen zu verhindern.

Ingrid Felipe, einst glücklose grüne Parteichefin und nun wieder Landeshauptmann-Stellvertreterin, könnte hingegen grüne Unterstützung aus dem Innsbrucker Rathaus gut brauchen. Auch die verkürzte Westachse ohne Salzburg wäre gestärkt. Vor allem aber könnten die Grünen für die EU-Wahl und die Vorarlberger Landtagswahlen 2019 hoffen.

„Der hohe Anteil an jungen und gebildeten Menschen bildet in der Universitätsstadt Innsbruck die Grundlage für grüne Erfolge.“

Kathrin Stainer-Hämmerle

kathrin.stainer-­haemmerle@vn.at

FH-Prof. Kathrin Stainer-Hämmerle, eine gebürtige Lustenauerin, lehrt Politikwissenschaften an der FH Kärnten.