Maifeiern mit verbalem Schlagabtausch

01.05.2018 • 20:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wiens Langzeitbürgermeister Michael Häupl wurde am Tag der Arbeit auf dem Rathausplatz mit Jubel und Applaus verabschiedet. apa
Wiens Langzeitbürgermeister Michael Häupl wurde am Tag der Arbeit auf dem Rathausplatz mit Jubel und Applaus verabschiedet. apa

SPÖ wettert gegen Regierung. Streit zwischen Industrie und ÖGB.

wien Der diesjährige Tag der Arbeit stand im Zeichen der neuen Rollen: Ex-Kanzler Christian Kern nützte den Maiaufmarsch in Wien als Bühne für scharfe Kritik an Schwarz-Blau, Michael Ludwig hatte dort seine Premiere als Wiener SPÖ-Chef.

Beim Maiaufmarsch in Wien lauschten laut SPÖ 120.000 Menschen der Kritik der Parteispitze an schwarz-blauen Plänen wie Zwölf-Stunden-Tag oder AUVA-Einsparungen. Kern, vor einem Jahr als Kanzler, jetzt als Oppositionsführer am Rathausplatz, wetterte gegen „Geschenke an Großkonzerne“, die Bedrohung von Journalisten oder antisemitische Angriffe. Viel Applaus gab es dafür und auch für Michael Häupls Abschiedsauftritt. Häupl fasste die Situation mit den Worten „Es weht ein sehr kalter Wind“ zusammen. Zum Abschied ließ er die „lieben Freunde“ wissen: „Ihr seid in meinem Herzen. Freundschaft!“

ÖVP-Chef Kanzler Sebastian Kurz stattete am Tag der Arbeit dem „Haus der Barmherzigkeit“ in Wien-Ottakring einen Besuch ab. Er unterhielt sich mit dem Leiter über Probleme etwa wegen zu vieler Regulierungen, sowie mit Betreuern und Bewohnern. H. C. Strache (FPÖ) besuchte auch heuer das Bierzelt am Urfahraner Jahrmarkt, erstmals als Vizekanzler. Er lobte die Koalition, speziell den Beitrag der FPÖ als „Impulsgeber und Schrittmacher“, und hofft, für mindestens zwei Perioden in der Regierung zu bleiben.

Einen verbalen Schlagabtausch lieferten sich am Dienstag Industrie und ÖGB . „Ich persönlich kann mich an keinen 1. Mai erinnern, an dem das Klima ähnlich ablehnend gegenüber Arbeitnehmern oder der Sozialpartnerschaft war, wie unter dieser türkis-blauen Regierung“, stellte ÖGB-Präsident Erich Foglar fest. Just im Vorfeld des 1. Mai habe die Regierung wissen lassen, dass sie Zwölf-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche rücksichtlos durchdrücken werde. Dabei wäre angesichts der Digitalisierung die Umverteilung von Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung das Gebot der Stunde. Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer, pochte hingegen auf eine „faire Modernisierung der Arbeitszeiten“ und trat einer „von einzelnen Organisationen betriebenen massiven Fehlinformation“ entgegen. Es gehe „einzig und allein darum, in Ausnahmefällen an einzelnen Tagen länger arbeiten zu dürfen“.

Vorarlbergs ÖGB-Landesvorsitzender Norbert Loacker und ÖGB-Landesgeschäftsführerin Manuela Auer versichern: „Wir lassen nicht zu, dass Türkis und Blau das Rad der Zeit zurückdrehen und kämpfen weiter für Arbeit, die ein gutes Leben ermöglicht.“