„Ich war nicht wegen der FPÖ nervös“

Politik / 04.05.2018 • 19:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wien Er habe eigentlich nichts Neues gesagt, meint Schriftsteller Michael Köhlmeier nach seiner Rede bei der Gedenkveranstaltung im Parlament. Ihm sei es aber ein Anliegen, bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, „mit was für Leuten wir es in der Regierung zu tun haben“.

 

Warum haben Sie beim Gedenkakt genau diese Rede gehalten? Es wirkte ein wenig nach „Jetzt oder nie“.

Köhlmeier Wieso jetzt oder nie? Wenn es so weit wäre, dann stünden wir praktisch vor einem Anbruch der Diktatur. So sehe ich das nicht. Ich habe vielmehr gedacht: Da sitzt jetzt die ganze Bundesregierung, viele FPÖ-Politiker. Und alle waren sich einig über die armen Opfer des Nationalsozialismus. Ich habe mich über die heftigen Reaktionen auf meine Rede gewundert, weil ich eigentlich nichts Neues gesagt habe. Nur der Anlass war eben ein anderer.

 

Waren die Reaktionen vorwiegend positiv oder negativ?

Köhlmeier Überwiegend positiv. Negativ waren nur die Reaktionen der Freiheitlichen. Aber alles, was ich gesagt habe, weiß eh jeder, der sich damit beschäftigt. Vielleicht aber wurde ich bei der Gedenkveranstaltung ein bisschen als Spielverderber wahrgenommen.

 

Wie meinen Sie das?

Köhlmeier Es war alles so „Eiapopeia“, alle waren sich einig über die armen Opfer. Diese Stimmung der Betroffenheit war da. Dieses „Eiapopeia“ geht aber nicht. Es war aber auch nicht meine Absicht, als Spielverderber aufzutreten.

 

Wie war es, die Rede mit FPÖ-Politikern im Blick zu halten?

Köhlmeier Ich war nicht wegen der FPÖ-Politiker da. Ich habe mich den Überlebenden gegenüber verpflichtet gefühlt, die gekommen sind, und den jungen Menschen, die sich sehr lange Mühe gegeben und die Lebensgeschichten der NS-Opfer recherchiert haben. Wegen ihnen war ich nervös, nicht wegen der Frage, wie die FPÖ reagieren wird. Man weiß doch, dass sie im Notfall in eine Opferrolle schlüpfen. Und nur weil ich mich nicht vor der FPÖ fürchte, empfinde ich mich keineswegs als Held. Es ist mir aber ein Anliegen, bei jeder Gelegenheit zu sagen, mit was für Leuten wir es in der Regierung zu tun haben. Da können wir uns nicht darüber hinwegschummeln. VN-ebi