Köhlmeier attackiert Freiheitliche

04.05.2018 • 19:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Michael Köhlmeier sorgt mit seiner Rede für Aufsehen: Wer glaube, die FPÖ verteidige und beschütze Juden, sei ein Idiot.APA
Michael Köhlmeier sorgt mit seiner Rede für Aufsehen: Wer glaube, die FPÖ verteidige und beschütze Juden, sei ein Idiot.APA

Autor wirft FPÖ Heuchelei im Umgang mit Juden vor.

Wien Der Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier hat am Freitag beim Gedenkakt des Parlaments für die Opfer des Nationalsozialismus mit der FPÖ abgerechnet und ihr Heuchelei im Umgang mit den Juden vorgeworfen.

Köhlmeier sagte bei seiner Rede, er höre die NS-Opfer, deren Geschichten von Jugendlichen erzählt wurden, fragen: „Was wirst du jenen sagen, die einer Partei angehören, deren Mitglieder den Nationalsozialismus verharmlosen oder antisemitische Meldungen abgeben? Wirst du so tun, als wüsstest du nicht, was gemeint ist, wenn sie ihre Codes aussprechen und Verschwörungstheorien verbreiten?“ „Der Begriff des ‚stichhaltigen Gerüchts‘ wird ins Wörterbuch der Niedertracht und Verleumdung kommen“, so Köhlmeier in Anspielung auf die Aussagen des FPÖ-Klubobmanns Johann Gudenus, wonach es „stichhaltige Gerüchte“ gibt, dass der ungarischstämmige US-Milliardär George Soros daran beteiligt sei, Migrantenströme nach Europa zu unterstützen.

„Gehörst du zu jenen, die abgestumpft sind?“, höre er die Toten fragen. „Zum großen Bösen kamen die Menschen nie in einem Schritt, sondern in vielen kleinen. Zuerst wird gesagt, dann wird getan. Wirst du es dir gefallen lassen, wenn ein Innenminister davon spricht, dass Menschen konzentriert gehalten werden sollen?“ Es sei unglaubwürdig von der FPÖ, wenn sie sich als Beschützerin und Verteidigerin der Juden aufspielt und gleichzeitig die rechtsextreme Aula unterstützt, in der befreite Häftlinge des Konzentrationslagers als „Landplage“ bezeichnet wurden. „Wer das glaubt, ist ein Idiot oder er tut so als ob, dann ist er ein Zyniker“, sagt Köhl­meier.

Er möchte sich und den Jugendlichen, die sich eindringlich mit den Schicksalen der Opfer beschäftigt haben, in die Augen sehen können. „Mehr habe ich nicht zu sagen“, schloss der Autor und erntete tosenden Applaus.

Freiheitliche empört

Die FPÖ war erbost. Parteichef Heinz-Christian Strache sagte, Köhlmeier sei ein selbstgerechter Autor, der die Gedenkveranstaltung desavouiert und die Bühne im Parlament hochmütig missbraucht habe: „Dass er dabei gleichzeitig eine Million Wählerinnen und Wähler pauschal verunglimpft, ist ein entbehrlicher Beitrag zur weiteren Spaltung der Gesellschaft in Österreich.“