Köhlmeier weist Vorwurf der Holocaust-Verharmlosung zurück

06.05.2018 • 19:31 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Häupl stellt sich hinter Autor. Nur ein Vergleich sei in die Hose gegangen.

Wien Der Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier ist immer noch Gesprächsthema. Genauer gesagt seine Rede, die er am Freitag beim Gedenkakt des Parlaments für die Opfer des Nationalsozialismus gehalten und dabei die FPÖ scharf kritisiert hatte.

Während die Freiheitlichen Köhlmeiers Worte empört zurückweisen, sieht der scheidende Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) die Ansprache „zu 99 Prozent positiv“. Die einzige Anmerkung: „Mit Schoah-Vergleichen soll man immer vorsichtig sein.“ Ein Autor könne natürlich zugespitzt formulieren, lediglich dieser Vergleich sei in die Hose gegangen, sagt Häupl im ORF. Köhlmeier hatte in Anspielung auf die „Schließung der Balkan-Route“ im Verlauf der Flüchtlingskrise gesagt: „Es hat auch damals (in der NS-Zeit, Anm.) schon Menschen gegeben, die sich damit brüsteten, Fluchtrouten geschlossen zu haben.“ Die Politik müsse es aushalten, beim Wort genommen zu werden, springt unterdessen Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, seinem Schriftsteller-Kollegen bei: „Köhlmeier hat eine Rede gehalten, wie sie dem Anlass nicht besser entsprechen hätte können.“ Es sei weder angemessen, seiner Kritik „Holocaust-Verharmlosung“ zu unterstellen, noch sich seitens der FPÖ „als die eigentlich Verfolgten darzustellen“. Die IG Autoren weise „alle Versuche, die Rede als persönliche Aversionen oder/und überzogene Vergleiche zu relativieren, mit Entschiedenheit zurück“.

Köhlmeier selbst bezeichnete in der Zeitung „Österreich“ den Vorwurf der Verharmlosung des Holocaust als Chuzpe: „Aber ich möchte ihn ernst nehmen. Man möge mir die Stelle in meiner Rede zeigen. Denn nichts liegt mir ferner, als den Holocaust zu verharmlosen.“

„Man möge mir die Stelle zeigen. Nichts liegt mir ferner, als den Holocaust zu verharmlosen.“