Protektionismus ist lebensgefährlich

06.05.2018 • 20:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Was wissen 1414 führende Wirtschaftswissenschaftler, was US-Präsident Donald Trump nicht weiß? Beispielsweise, dass seine wirtschaftspolitischen Hirngespinste den freien Welthandel beerdigen, ganz fix eine Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren auslösen können, und Abermillionen von Menschen – Amerikaner eingeschlossen – ins Elend gestürzt werden, aus dem sie so schnell nicht wieder herauskommen.

Das bescheinigten die 1414 Kundigen, darunter 14 Wirtschafts-Nobelpreisträger, dem intellektuellen Bruchpiloten in Washington jetzt in einem gemeinsamen Brandbrief. Sein protektionistisches Gehampel mit Strafzöllen für US-Importe etwa von Autos, Stahl, Aluminium, Solaranlagen und Waschmaschinen, und dazu die neuerdings angekündigten mengenmäßigen Beschränkungen (Quoten) für allerlei Produkte, sei schlicht dumm und lebensgefährlich. Dazu auch noch die Wiederholung eines von US-Politikern nach 1930 angerichteten „ökonomischen Protektionismus-Schwachsinns“. Das damals vom US-Parlament verabschiedete „Smoot-Hawley-Gesetz“ habe bekanntlich die weltweite Wirtschaftssdepression mit der Folge eines militärischen Weltbrandes initiiert.

Natürlich ist Wirtschaftspolitik kein die Massen elektrisierendes Sujet. Aber ein gelegentlich mit dem Kopf und nicht mit dem Bauch oder auch gar nicht denkender Politiker wie es ein US-Präsident sein sollte, müsste eines zumindest wissen: Importquoten sind in der Welthandelspolitik (siehe WTO) verboten, sie setzen das Prinzip von Angebot und Nachfrage außer Kraft und sie führen zu Preisanhebungen.

Die unausweichliche Spirale funktioniert dann im Prinzip so: In den Liefer- und in Importländern steigt die Inflationsrate, womit sich die Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern verringert.

Das wiederum führt zu einem Rückgang der Staatseinnahmen und zu unweigerlichen Kürzungen von staatlichen Transferleistungen. Beispielsweise für Soziales, Schulen Kultur, und auch für dringend notwendige Investitionen für die Infrastruktur. Die Folgen einer solchen Ereigniskette sind, wie der Abschrecken sollende US-Protektionismus der 30er Jahre vorführte, Massenelend, soziale Verwerfungen, Nationalismus-Bestrebungen, und soziale Unruhen, die zu Kriegen führen können. Da muss gefragt werden: Wie tickt dieser US-Präsident eigentlich? Ist er von allen guten und nicht nur ökonomischen Geistern verlassen, wenn er dabei ist, sein eigenes Land und so ziemlich alle anderen Länder in den Untergang zu schwadronieren und dekretieren? Bis zum Ende der Amtszeit Trumps werden noch knapp 1000 Tage vergehen. Es werden wohl tausend Tage Angst sein.

„Natürlich ist Wirtschaftspolitik kein die Massen elektrisierendes Sujet.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at