Neue Oppositionsführerin in Pink

08.05.2018 • 19:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beate Meinl-Reisinger will die Parteiführung von Matthias Strolz übernehmen.APA
Beate Meinl-Reisinger will die Parteiführung von Matthias Strolz übernehmen.APA

Meinl-Reisinger will Neos-Chefin werden. Strolz empfiehlt sie.

Wien „Sie ist ein fleischgewordener Stachel im Fleisch“, sagt Neos-Obmann Matthias Strolz. Und sie könne die Rolle des Oppositionsführers mindestens so gut wie er. Sie ist Strolz’ persönliche Empfehlung für seine Partei: Die Wiener Obfrau Beate Meinl-Reisinger. „Sie kann Neos mit ihrer Kraft den größten Dienst tun, von allen, die in Frage kommen“, hält der Vorarlberger fest. Wie die VN berichteten, wird sich der 44-Jährige bis Herbst aus seiner Partei zurückziehen. 

Prominentes Gründungsmitglied

Meinl-Reisinger will übernehmen. Das erklärt sie auch am Dienstag im ORF-Report. Heute, Mittwoch, wird der erweiterte Parteivorstand die Vorgehensweise absegnen. Formal wird Strolz bis Anfang Juni Parteichef bleiben, am 9. Juni bestimmt die Mitgliederversammlung dann den Nachfolger; besser gesagt, die Nachfolgerin, wenngleich sich theoretisch jeder für den Posten bewerben kann.

Beate Meinl-Reisinger ist neben Strolz das prominenteste Gründungsmitglied der Neos. Dass sich die 40-Jährige bei Wahlen behaupten kann, hat sie bereits in Wien bewiesen. 2015 führte sie die Partei mit 6,2 Prozent in den Gemeinderat der Bundeshauptstadt. Bei der Nationalratswahl wählten 6,5 Prozent der Wiener Wähler Pink. Meinl-Reisinger verzichtete allerdings auf ihr Mandat im Nationalrat, dem sie von 2013 bis 2015 bereits angehörte. Als Strolz-Nachfolgerin kehrt sie nun wieder in die Bundespolitik zurück. Schließlich soll sie Partei und Nationalratsklub anführen.

Das politische Geschäft lernte Meinl-Reisinger in der ÖVP. Unter anderem assistierte sie Othmar Karas im EU-Parlament und war Mitglied des Kabinetts von Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP). Doch die Volkspartei wurde ihr zu eng, was sie zu den Neos führte. Dort bahnte sich Meinl-Reisinger schnell ihren Weg nach vorne – wenngleich auch die Pinken zu Beginn als Hort selbstbewusster Männer gegolten hatten. In Zukunft werden sie von einer Obfrau geleitet, die für ihren  moderaten liberalen Kurs bekannt ist. Dennoch muss auch sie es schaffen, den gesellschafts- und wirtschaftsliberalen Flügel zu einen. Strolz macht sich da keine Sorgen. Die 40-Jährige habe in der Wiener Partei mit ihren 23 Bezirksorganisationen bewiesen, dass sie eine große Organisation leiten kann, sagt er.

Klarer Schnitt

Informell will der Vorarlberger seinen Neos weiterhin zur Verfügung stehen. „Wenn ich gerufen werde, bin ich da. Meine Aufbauarbeit ist aber erledigt.“ Für einen Gründer sei es wichtig, einen klaren Schnitt zu machen und der Weiterentwicklung seines Projekts nicht im Weg zu stehen. Sein pinkes, politisches Baby habe sich mittlerweile zu einem jungen Erwachsenen entwickelt, wenngleich Strolz – auch unter Meinl-Reisinger – noch immer mit der einen oder anderen postpubertären Schwingung rechnet. Jetzt werde die Partei aber ihre Flügel heben und in neue Höhen kommen. „Wir haben das Potenzial einer 20-Prozent-Partei.“ Bis 2030 würden die Neos diese Marke erreichen, ist Strolz überzeugt: „Das ist keine Fantasterei, sondern eine Prognose.“ VN-ebi

„Wir haben das Potenzial für 20-Prozent. Das ist keine Fantasterei, sondern eine Prognose.“