Detailpläne für die Strukturreform im Heer

09.05.2018 • 20:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Strukturreform im Visier: Minister Mario Kunasek will  bewerten, was geplant war und was davon umsetzbar ist.APA
Die Strukturreform im Visier: Minister Mario Kunasek will  bewerten, was geplant war und was davon umsetzbar ist.APA

Weniger Bataillone, dafür zusätzliche Kompanien für Kommandos.

Wien Der Vorarlberger Militärkommandant Ernst Konzett spricht derzeit nur im Konjunktiv. Denn sicher ist nichts. Lediglich, dass Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) am Mittwoch den Generalstab beauftragt hat, die Struktur des Bundesheers neu zu planen. Schlanker soll das Militär organisiert sein, heißt es in seinem Ressort. Zumindest in der Verwaltung. Gleichzeitig soll mehr Geld für die Truppen bleiben und die Soldaten in Katastrophenfällen schnell handeln können. Das sind die Leitlinien des Ministers.

Bereits Ende März erklärte er den VN, in Sachen Strukturreform auf die Stopptaste gedrückt zu haben: „Wir müssen bewerten, was geplant war und was umsetzbar ist.“ Einiges, was sein Vorgänger Hans-Peter Doskozil (SPÖ) noch angekündigt hatte, nimmt Kunasek jetzt zurück. Unter diese Kategorie fällt etwa das Vorhaben, jedem Militärkommando ein eigenes Jägerbataillon zu geben. Die bestehenden Bataillone sollen vielmehr in die Brigaden zurückwandern. Der strukturelle Status Quo aus den Jahren 1999 bis 2016 wäre weitgehend wiederhergestellt.

Regionale Details offen

Was diese Pläne für die einzelnen Bundesländer bedeuten, ist offen. Die Details würden erst geklärt, heißt es im Verteidigungsministerium. Es scheint aber wahrscheinlich, dass die versprochene vierte Kompanie im Jägerbataillon 23 in Bludesch doch nicht aufgestellt wird und die zwei Kompanien in Landeck wieder dem Bataillon zugeordnet werden. Gleichzeitig aber soll jedes Militärkommando – auch das in Vorarlberg – eine Pionierkompanie für den Katastropheneinsatz erhalten. Damit bliebe die anvisierte Soldatenzahl in Vorarlberg gleich. Lediglich würde die vorgesehene, zusätzliche Kompanie von Bludesch nach Bregenz wandern.

Noch diesen Monat hat der Generalstab die entsprechenden Details zu erstellen und dem Minister zu übermitteln. Aus dem Verteidigungsressort war lediglich zu erfahren, dass vieles der früheren Struktur des Heeres sehr ähnlich sein werde.

Militärkommandant Konzett wartet ab und bleibt bei seinen Aussagen in der Möglichkeitsform. Würde dem Militärkommando eine Pionierkompanie zugeordnet, wäre dies in Sachen Katastrophenhilfe eine qualitative Verbesserung. Allerdings müsste man die Kompanie zuerst aufbauen und den Pionierzug in der Bregenzer Stabskompanie um etwa zwei Drittel des aktuellen bestehenden Personals aufstocken, meint er. Österreichweit bräuchte es für alle neun Pionierkompanien laut Austria Presse Agentur 1500 Spezialisten inklusive Gerät. Dafür wären Millionen nötig, wie bereits für viele andere Bereiche im Bundesheer.

Stichwort

Reform 2016 und Folgende

Bei der Reform 2016 wurde unter anderem das Streitkräfteführungskommando in ein Kommando Land und ein Kommando Luft in Graz und Salzburg überführt. Darüber hinaus wurden ein Kommando Logistik und ein Kommando Führungsunterstützung und Cyber-Defence in Wien geschaffen. Aus diesen vier Kommandos sollen wieder zwei werden. Weitere Kernpunkte der Reform 2016 waren die Aufstellung von neuen Bataillonen sowie mehr Aufgaben und Verantwortung für die Militärkommandos, die anstelle der Brigaden nun für die Jägerbataillone zuständig waren. Das wird nun zurückgenommen. Die Bataillone sollen wieder zu den Brigaden zurückwandern, für die Kommandos fällt dort das tägliche Geschäft der Ausbildung und Führung weg. Allerdings sollen sie jeweils eine eigene Pionierkompanie bekommen.