Schiiten unter sich

13.05.2018 • 20:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Irakische Wahl stärkt Teherans Einfluss.

Teheran Im Irak wurde am Samstag ein neues Parlament bestimmt, zum fünften Mal seit dem Sturz von Saddam Hussein im April 2003. Der Wahlkampf stand zunächst noch ganz im Zeichen des Siegs über die sunnitische Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).

Zuletzt kam aber zunächst der Sieg des Hisbollah beim Urnengang in Libanon dazu, Fotos des Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah tauchten neben den Plakaten der irakischen Kandidaten auf. Der amerikanische Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Teheran und der iranisch-israelische Schlagabtausch innerhalb Syriens traten dann als weitere den Wahlausgang mitbestimmende Faktoren in den Vordergrund.

Die Beteiligung lag nach dem über 70-prozentigen Hoch von 2005, als jahrzehntelang keine freien Wahlen stattgefunden hatten, bei nicht einmal der Hälfte der stimmberechtigten 24,5 Millionen. Das hing nicht mit Politikmüdigkeit, sondern dem allgemeinen Fahrverbot zusammen, das aus Angst vor Anschlägen der letzten IS-Zellen über das ganze Land verhängt war. Manche willigen Wählerinnen und Wähler mussten über vier Stunden bis zur nächsten Stimmabgabe marschieren!

Endgültige Wahlergebnisse dürften erst bis Dienstag eintrudeln. Aber schon jetzt liegt auf der Hand, dass der Irak nun erst recht schiitisch regiert wird. Die sunnitische „Nationale Allianz“ ist seit den letzten Wahlen von 2014, die ihren Chef Iyad Allawi beinahe zum Regierungschef gemacht hatten, durch die Schreckensherrschaft des konfessionsgleichen IS belastet. Iraks starke dritte Kraft, die Kurden, sind nach ihrem Unabhängigkeitsfiasko vom letzten Herbst geschwächt und gespalten.

Drei schiitische Wahlbündnisse

Auch aus den zwei großen schiitischen Wahlbündnissen sind inzwischen drei geworden. Sowohl die Allianz Nasr (Sieg, und zwar über den IS) des amtierenden Ministerpräsidenten Haider al-Abadi wie der „Rechtsstaat“ seines Vorgängers Nuri al-Maliki gehören zur Dawa (Mission). Diese Partei will einen islamischen Staat und eine islamgerechte Wirtschaft durchsetzen und liegt damit auf der gleichen Linie wie die Islamische Republik Iran. Die neue Fath (Eroberung) hingegen rekrutiert sich aus Veteranen des Volkskriegs gegen den IS und kommt wie Parteichef Hadi al-Amri aus schiitischen Milizen, die mit den iranischen Revolutionsgarden verbunden sind.

Einziger Schiitenführer, der zu Saudi-Arabien und nicht zu Teheran hält, ist der sozial engagierte Muqtada as-Sadr. Er warb im Bündnis mit den Kommunisten um die Stimmen der vom IS vertriebenen, noch immer in Lagern zusammengepferchten Nordiraker. Das hat ihren „Marsch für Reformen“ nach ersten Teilergebnissen auf den zweiten Platz hinter der Partei von Regierungschef Abadi katapultiert.