Eskalation der Gewalt im Gazastreifen

14.05.2018 • 20:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tausende Palästinenser protestierten gegen die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. AFP
Tausende Palästinenser protestierten gegen die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. AFP

Blutige Proteste begleiten US-Botschaftseröffnung in Jerusalem.

jerusalem Die international umstrittene Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem hat am Montag massive Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Armee mit Dutzenden Toten ausgelöst. Im Gazastreifen wurden bei Protesten am Grenzzaun mindestens 52 Palästinenser von Soldaten erschossen, mehr als 2400 Menschen wurden verletzt, wie die Gesundheitsbehörde in Gaza mitteilte.

„Historischer Moment“

US-Präsident Donald Trump äußerte in einer bei den Feierlichkeiten in Jerusalem übertragenen Videobotschaft indes die Hoffnung, dass es nun Frieden geben werde. „In Freundschaft reichen wir Israel, den Palästinensern und allen Nachbarn die Hand“, sagte Trump. Zugleich betonte er: „Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen.“ An der Zeremonie nahmen 800 Gäste teil, darunter US-Finanzminister Steven Mnuchin, Präsidententochter Ivanka Trump sowie ihr Mann und Trump-Berater Jared Kushner. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einem „historischen Moment“.

Im Gazastreifen protestierten unterdessen Zehntausende Menschen. Israelische Soldaten erschossen Palästinenser, die sich dem Grenzzaun zu sehr näherten oder ihn beschädigen wollten. Die israelische Armee warf den Palästinensern „beispiellose Gewalt“ vor. Sie hätten Soldaten mit Brandbomben und explosiven Gegenständen beworfen. Die israelische Luftwaffe griff Posten der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas an. Auch in Ramallah im Westjordanland nahmen Tausende Palästinenser an einem Protestmarsch teil. Sie trugen palästinensische und schwarze Flaggen sowie Schlüssel. Damit wiesen sie auf ihre Forderung nach einer Rückkehr in die Gebiete hin, aus denen 1948 im Zuge der israelischen Staatsgründung Hunderttausende Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. 

EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini rief beide Seiten angesichts der Eskalation der Gewalt zu Zurückhaltung auf. Israels Nachbarstaaten Libanon, Jordanien und Ägypten verurteilten die Gewalt im Gazastreifen. Es handle sich um „exzessive Gewalt gegen wehrlose palästinensische Menschen“, sagte der jordanische Regierungssprecher Mohammed al-Momani.

Trump hatte im Dezember Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt. Er kündigte die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv in die Heilige Stadt an. Die Entscheidung wurde international scharf kritisiert. Israel hat den Ostteil Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 erobert.

„Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen.“