Nordkorea droht USA mit Absage des historischen Gipfeltreffens

Politik / 16.05.2018 • 20:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kommt es am 12. Juni zu direkten Gesprächen zwischen Kim und Trump in Singapur? Ob der Gipfel stattfindet, ist plötzlich nicht mehr sicher. AP
Kommt es am 12. Juni zu direkten Gesprächen zwischen Kim und Trump in Singapur? Ob der Gipfel stattfindet, ist plötzlich nicht mehr sicher. AP

Nach wochenlangem politischem Tauwetter sieht sich Kim getäuscht.

pjöngjang Nordkorea hat den USA im Ringen um eine Lösung des Atomkonflikts überraschend mit der Absage des geplanten historischen Gipfeltreffens im Juni gedroht. Vize-Außenminister Kim Kye-Gwan warf der Regierung in Washington vor, sein Land in eine Ecke treiben zu wollen, um es zum einseitigen Verzicht auf Atomwaffen zu zwingen. In diesem Fall werde Nordkorea keine andere Wahl haben, „als das Zustandekommen des nordkoreanisch-amerikanischen Gipfels zu überdenken“, wurde Kim am Mittwoch von den Staatsmedien zitiert. Wenn die Regierung von US-Präsident Donald Trump dagegen den Gipfel mit ehrlichen Absichten plane, wolle sein Land angemessen reagieren.

Kein „Modell Libyen“

Nordkorea verfügt nach eigenen Angaben über Raketen, die einen Atomsprengkopf bis auf das US-Festland befördern können. Kim nahm Anstoß an Äußerungen des Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton und anderer US-Regierungsvertreter, wonach Nordkorea bei der atomaren Abrüstung dem „Modell Libyen“ folgen könne. Libyen hatte vor 15 Jahren erklärt, seine Massenvernichtungswaffen im Gegenzug für die Aufhebung von Sanktionen zerstören zu wollen. Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi wurde später – am 20. Oktober 2011 – von Aufständischen getötet; die westlichen Atommächte unterstützten damals die Rebellen. Die USA verlangen von Nordkorea ebenfalls einen vollständigen, überprüfbaren und nicht mehr umkehrbaren Abbau seines Atomprogramms. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un hatte sich bei einem Gipfeltreffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-In Ende April zu einer „kompletten Denuklearisierung“ bereiterklärt. Unklar blieb, was das im Detail bedeutet.

Nordkoreas Vize-Außenminister erklärte nun, Pjöngjang lehne es kategorisch ab, das Atomwaffenarsenal im Gegenzug für Wirtschaftshilfen aufzugeben. Schon zuvor hatte Pjöngjang ein laufendes Manöver der Luftstreitkräfte der USA und Südkoreas als Grund genommen, das Gipfeltreffen zwischen Machthaber Kim und Trump am 12. Juni infrage zu stellen. Zudem sagte Nordkorea Versöhnungsgespräche mit Südkorea am Mittwoch ab. Washington zeigte sich weiterhin optimistisch. „Wir sind weiterhin hoffnungsvoll, dass das Treffen stattfinden wird“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, dem Sender Fox News.