The Royals

Politik / 23.05.2018 • 22:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Totgesagte leben länger“ lautet das alte Sprichwort. Das gilt unter anderem auch für die britische Monarchie. Als ich ab 1989 als Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung für viele Jahre in London stationiert war, begann der damals irreversibel scheinende Niedergang der „Royals“. Das Ehedrama zwischen dem Thronfolger, Prinz Charles, und der „Königin der Herzen“, seiner Ex-Gattin Diana, gipfelte in ihrem theatralischen, auf Camilla gemünzten Ausspruch „Wir sind zu dritt in dieser Ehe“. Mindestens. Denn eigentlich war man ja zu viert. Gnadenlos wurde damals das Privat- und Intimleben des Thronfolgerpaares durch die Boulevardmedien geschleift. Und die anfängliche Weigerung der Queen nach Dianas tragischem Unfalltod in Paris, auch nur das geringste Mitgefühl für ihre ehemalige Schwiegertochter zu zeigen und zudem die Flagge auf dem Buckingham Palace auf Halbmast zu setzen, ließ die Sympathien der Briten für Monarchin und Monarchie ins Bodenlose sinken.

Doch dies war bei Weitem nicht die erste königliche Ehekrise der gekrönten Häupter Britanniens. Geradezu legendär für seine (politisch-religiös bedingten) war im 15. Jahrhundert der Tudor-Monarch Heinrich VIII., der zwei seiner sechs Ehefrauen enthaupten ließ und auch mit den restlichen vier reichlich ungnädig verfahren ist. 1936, Jahrhunderte später, führte die erzwungene Abdankung des Hitler-Bewunderers König Edward VIII. aufgrund seiner Mésalliance mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson zu einem Eklat von historischen Dimensionen. Als Königin untersagte Elisabeth ihrer Schwester, Prinzessin Margaret, 1966 die Ehe mit dem ebenfalls geschiedenen Oberst Peter Townsend; ihre spätere Ehe mit einem Hoffotografen scheiterte. Drei von vier Kindern der Queen sind geschieden.

Doch all dies ist jetzt Geschichte. Die Eheschließung zwischen der bürgerlichen Meghan und Prinzessin Dianas zweitem Sohn Harry am letzten Samstag wurde, wie einst die Traumhochzeit zwischen Charles und Diana, zur Märchenhochzeit – noch dazu bei strahlendem Sonnenschein. Dass Charles und Ehefrau Camilla ihren Blick offenbar desinteressiert gesenkt hielten, als die jungen Leute ihr Ehegelübde abgaben, war befremdlich und trübte den Glanz des prachtvollen Ereignisses.

Dennoch: Die britische Monarchie hat sich geöffnet – bürgerliche, dunkelhäutige, geschiedene Ehepartner sind heute kein Thema mehr. Und die Krise scheint überwunden: Die Monarchie verzeichnet Zustimmungsraten wie noch nie. Ob Charles, für den sich die Untertanen nie wirklich erwärmen konnten, dieses hohe Niveau halten kann, ist offen. Zu wünschen wäre es ihm: Der Thronfolger ist ein unermüdlicher Arbeiter – und ein Mann mit vielen Idealen.

„Der Thronfolger ist ein unermüdlicher Arbeiter – und ein Mann mit vielen Idealen.“

Charles E.
Ritterband

charles.ritterband@vn.at

Dr. Charles E. Ritterband ist Journalist und Autor sowie langjähriger Auslandskorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung (seit 2001 in Wien).