Ende der Partnerschaft

Politik / 10.06.2018 • 20:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die G7-Konferenz in Kanada ist zu Ende. Und was ist bei dem seit mehr als 40 Jahren alljährlich stattfindenden Palaver der Staats- und Regierungschefs mit Bereden und Lösen der aktuellen riesigen Weltprobleme herumgekommen?

Nichts, um es freundlich auszudrücken. Außer dem Nachweis: Die Hütte brennt und transatlantische Freundschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit auf Basis gleicher Werte war einmal. Und vielleicht der Erkenntnis, die reichlich teure Ego-, Selbstdarstellungs- und Propaganda-Veranstaltung im nächsten Jahr in Paris besser einfach zu lassen. Telefon-Konferenzen, mit oder ohne Video sind billiger. Wenn der US-Präsident nicht mehr Donald Trump heißt, können die Staatenlenker ja noch einmal einen Neuanfang versuchen.

Denn was ist auf der Konferenz passiert, auf der das freie Welthandelssystem gerettet, eine neue Weltwirtschaftskrise verhindert und die totale Umweltverseuchung unseres Planeten abgewendet werden sollte? Da heißt es im achtseitigen Abschlusskommuniqué vollmundig, dass die G7-Oberhäupter gegen Protektionismus und für ein „regelbasiertes internationales Handelssystem“ kämpfen und ganz dolle für eine lebenswerte Umwelt zu Wasser, zu Lande und in der Luft sorgen wollen.

Und das, nachdem Trump vorher etliche Teilnehmerstaaten der Veranstaltung mit rigorosen Strafzöllen eingedeckt und neue protektionistische US-Maßnahmen angekündigt hatte. Die geheuchelte Umweltbesorgnis des US-Präsidenten beim Kanada-Treffen passt auch nicht zum US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen und auch nicht zu seinem bereits vollzogenen Kahlschlag bestehender US-Umweltvorschriften.

Der absolute Knaller war dann die von Trump nach vorzeitigem Abgang von der Konferenz wütend abgesetzte Internet-Botschaft, dass er sein kurz vorher besiegeltes Einverständnis mit dem ganzen Kram der Abschlusserklärung hiermit zurückziehe. Und um zusätzliche Strafzölle für Autos aus Kanada, Europa und Mexiko will sich der „Amerika zuerst“-Präsident jetzt auch ganz schnell kümmern. Da drängt sich die Frage auf, wie irrational die US-Politik in Trump-Zeiten denn noch werden kann.

Damit ist endgültig klar, dass die G7-Länder nicht mehr an „einem Strang ziehen“, von gemeinsamen Interessen nicht mehr die Rede sein kann, und der Mann aus Washington anders tickt als der Rest der Gemeinde. Aber Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verbreitet Hoffnung: „Jeder Regent muss mal abtreten.“ Nur kann in der Zwischenzeit noch viel Schlimmes angerichtet werden. Warten wir mal ab, was Trump in den nächsten Tagen noch alles beim US-nordkoreanischen Atomraketen-Gipfel in Singapur veranstaltet.

„Es drängt sich die Frage auf, wie irrational die US-Politik in Trump-Zeiten denn noch werden kann.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at