Hohe Gehälter, alte Lehrer

von Birgit Entner, Wien

Auf einen Volksschullehrer kommen in Österreich derzeit zwölf Schüler, im OECD-Schnitt sind es 15. AFP

Wien In Österreich sind die Lehrer vergleichsweise alt, ihre Gehälter besser und die Ausgaben pro Schüler deutlich höher als in anderen OECD-Ländern. Der Bildungsstand der Eltern bleibt leicht vererbbar. Hingegen befindet sich nur eine vergleichsweise kleine Gruppe von Jugendlichen weder in Ausbildung noch in Beschäftigung, wie die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ zeigt. 

Ausgaben pro Schüler

Pro Schüler und Student von der Volksschule bis zur Hochschule betragen die öffentlichen Ausgaben in Österreich rund 11.800 Euro im Jahr. Damit liegen sie weit über dem OECD-Durchschnitt von knapp 8500 Euro. Gemessen an der Wirtschaftsleistung befindet sich Österreich im Mittelfeld. 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts machen die Ausgaben für Bildungseinrichtungen vom Primar- bis Hochschulbereich derzeit aus (OECD-Schnitt: fünf Prozent).

Höhere Lehrergehälter

Die hohen Ausgaben pro Schüler resultieren unter anderem aus den hohen Lehrergehältern in Österreich, meint Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP). Seit 2005 seien diese um zehn Prozent gestiegen. In Österreich verdienen Pädagogen in allen Schultypen mehr als ihre Kollegen in anderen OECD-Staaten. Der durchschnittliche Gehaltsunterschied beträgt zwischen knapp 9000 und 18000 Euro brutto jährlich. Ein Grund für die vergleichsweise hohen Einkommen ist das relativ hohe Alter der österreichischen Lehrer. „Das führt zu höheren Kosten als in Vergleichsländern mit flachen Gehaltsschemata und durchschnittlich jüngeren Lehrern“, erklärt Faßmann. Im Volksschulbereich sind 39 Prozent aller Lehrer 50 Jahre oder älter (OECD: 31 Prozent), in der AHS-Unterstufe und Mittelschule beträgt ihr Anteil 49 Prozent (OECD: 35 Prozent), an den Oberstufen 45 Prozent (OECD: 34 Prozent). Neos-Mandatarin Claudia Gamon warnt vor einer anstehenden Pensionierungswelle, die den Lehrermangel weiter verschärfen könnte.

Betreuungsverhältnis

Auf einen Volksschullehrer kommen derzeit zwölf Schüler (OECD: 15). In der AHS-Unterstufe und Mittelschule sind es neun pro Pädagoge (OECD: 13). Die Klassengrößen haben abgenommen. So saßen durchschnittlich 18 Kinder in einer Volksschulklasse (OECD: 21). In der AHS-Unterstufe und der Mittelschule lag waren es 21 (OECD: 23).

Vererbbare Bildung

Bildung ist in Österreich stärker vererbbar als kaum woanders. Haben die Eltern keinen Abschluss einer berufsbildenden höheren Schule, Uni oder Fachhochschule, so ist die Chance auf ein Bachelor-, Diplom- oder Masterstudium eher gering. 

Junge ohne Beschäftigung

Ein gutes Zeugnis erhält Österreich für den relativ reibungslosen Übergang von der Schule zum Arbeitsmarkt. Elf Prozent der 15- bis 29-Jährigen sind weder in einer Ausbildung noch berufstätig. Im OECD-Schnitt zählen zu dieser sogenannten NEET-Gruppe 15 Prozent. Auffallend ist in Österreich der große Unterschied zwischen Zuwanderern und im Inland Geborenen. 24 Prozent der jungen Migranten zählen zur NEET-Gruppe, bei Inländern sind es acht Prozent. Der OECD-Unterschied ist mit 18 zu 13 Prozent deutlich geringer. Angesichts dieser Zahlen plädiert die SPÖ, die Ausbildungsgarantie bis 25 doch beizubehalten. Im schwarz-blauen Budget ist diese nur für 2018 kalkuliert. An der Ausbildungspflicht bis 18 halten ÖVP und FPÖ aber fest. Die Deutschförderklassen sehen sie als richtigen Weg. Faßmann ist überzeugt, so bessere Chancengleichheit für zugewanderte und im Inland geborene Kinder erreichen zu können.

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