Welche Folgen ein ungeregelter Brexit für Reisende hat

Politik / 20.02.2019 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Am 29. März will London der EU den Rücken kehren. So wie es derzeit aussieht, ist ein Chaos-Brexit durchaus möglich.  AFP

Am 29. März will London der EU den Rücken kehren. So wie es derzeit aussieht, ist ein Chaos-Brexit durchaus möglich.  AFP

Von der Einreise, über Roaming bis hin zur Krankenversicherung.

london Der Countdown läuft. Großbritannien will die Europäische Union am 29. März verlassen, also in gut fünf Wochen. Am Mittwoch traf sich Premierministerin Theresa May mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel – die Regierungschefin hofft auf Zugeständnisse der EU, um ihren umstrittenen Brexit-Vertrag noch rechtzeitig ratifizieren zu können. Die EU hat Nachverhandlungen aber immer eine Absage erteilt.

Nützen alle Gespräche nichts und kommt es tatsächlich zum ungeregelten Austritt der Briten, drohen schwerwiegende Auswirkungen auf beiden Seiten. Das könnten auch Reisende zu spüren bekommen. Darauf macht der ÖAMTC aufmerksam: Nach dem 29. März würde kein EU-Recht mehr gelten. „Reisende sollten auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Es gilt, abzuwarten und sich immer wieder kurzfristig zu informieren“, riet ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. Folgende Bereiche könnten betroffen sein:

Fluggastrechte: Das Vereinigte Königreich hat angekündigt, die EU-Fluggastrechte weiterhin zu wahren. Passagiere hätten damit weiterhin Ansprüche bei möglichen Verspätungen oder Annullierungen. Auf der sicheren Seite sei man, wenn man eine Airline bucht, die ihren Sitz in der EU habe, empfiehlt Pronebner.

Einreise: Es ist unwahrscheinlich, dass man künftig nur noch mit einem Visum nach Großbritannien einreisen darf. Die EU-Kommission hat bereits vorgeschlagen, dass britische Bürger für Kurzaufenthalte bis zu 90 Tage in der Union kein Visum benötigen – sofern das auch für Unionsbürger in Großbritannien gilt.

Auto: Den britischen Behörden zufolge soll sich für Besitzer eines EU-Führerscheins auch nach dem Brexit nichts ändern. Einen internationalen Führerschein muss man nicht dabeihaben. Die Juristin gibt zu bedenken: „War die Mitnahme der Grünen Versicherungskarte bisher nur eine Empfehlung, wird sie künftig jedoch zum Muss.“ Reisende, die mit dem Auto nach Großbritannien wollen, sollten außerdem die Bedingungen ihrer Versicherung prüfen. Sie sollte Schäden im Gebiet des Vereinigten Königreichs abdecken.

Reisen mit Haustieren: Kommt es zum ungeregelten Brexit, verliert der EU-Heimtierausweis wahrscheinlich seine Gültigkeit. Es könnten zusätzliche Dokumente vom Tierarzt notwendig sein.

Krankenversicherung: Die Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK) wird von den gesetzlichen Krankenkassen kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Falle eines ungeregelten Brexit verliert die EKVK ihre Gültigkeit. Man sollte also eine Auslandskrankenversicherung abschließen.

Roaming: Nach dem Brexit fallen für Reisende, die ihr österreichisches Handy in Großbritannien verwenden, wahrscheinlich wieder Roaming-Gebühren an.

Zoll: Erzielen London und Brüssel keinen Deal, ist die Einführung von Zollkontrollen wahrscheinlich. Am Flughafen muss der Ausgang durch die Zollkontrolle gewählt werden. Reisende dürfen dann nur noch Waren im Wert von 430 Euro nach Österreich einführen. Wählen sie ein anderes Verkehrsmittel, reduziert sich dies auf 300 Euro, für Jugendliche unter 15 Jahren auf 150 Euro. Waren wie Tabak oder Alkohol unterliegen strengeren Beschränkungen.