Teilzeitfalle mit Folgen

05.03.2019 • 13:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß warnt vor der Teilzeitfalle und pocht auf mehr Väterbeteiligung. APA
Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß warnt vor der Teilzeitfalle und pocht auf mehr Väterbeteiligung. APA

Teilzeitquote der Frauen steigt. Lohnschere bleibt offen.

Birgit Entner-Gerhold

Immer mehr Frauen gehen arbeiten, mit ihrer Erwerbsbeteiligung steigt aber vor allem die Teilzeitquote. Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) warnt nun davor, dass Teilzeitarbeit schwere Folgen haben kann, die bis zur Altersarmut reichen. 

Derzeit sind 68,2 Prozent der 15- bis 65-jährigen Frauen erwerbstätig, vor 20 Jahren waren es 58,4 Prozent. Deutlich schneller als die Zahl der weiblichen Beschäftigten, stieg ihre Teilzeitquote. 1997 lag sie bei 28,7 Prozent. 2017 war bereits fast jede zweite erwerbstätige Frau (47,7 Prozent) teilzeitbeschäftigt. Bei den Männern waren es 11,9 Prozent. 

Dieser Unterschied macht sich auch im Einkommen bemerkbar. So verdienten Frauen 2017 um 37,3 Prozent brutto pro Jahr weniger als Männer.  2007 waren es 40,7 Prozent, 1997 38,3 Prozent. Wird der Einkommensunterschied pro Stunde berechnet, liegen Frauen durchschnittlich um 19,9 Prozent unter dem Verdienst der Männer. Die Differenz ist zwar deutlich geringer als 2007 (25,5 Prozent), allerdings noch immer deutlich höher als der EU-Schnitt (16-Prozent).

Die Lohnschere lässt sich aber nur zum Teil erklären. 60 Prozent der geschlechterspezifischen Gehaltsunterschiede können laut einer Studie der Statistik Austria nicht begründet werden, rund 40 Prozent der Differenz hingegen schon. So ist die hohe Teilzeitquote unter anderem auf die geschlechterspezifische Teilung des Arbeitsmarktes zurückzuführen. Frauen seien öfter in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen und in Branchen mit geringeren Verdienstmöglichkeiten tätig. Weitere Faktoren, die den Einkommensunterschied begründen: Ausbildungsniveau, Art des Arbeitsvertrags, die Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen und das Alter der Beschäftigten. 

Am Ende mündet all das in einer geringeren Pension. Bezieherinnen erhalten durchschnittlich 43 Prozent weniger. 2018 mussten sie mit demselben Betrag 156 Tage länger auskommen als Männer. Frauen zahlen meistens eine kürzere Zeit ein, und sie zahlen durchschnittlich weniger. Die Gründe sind vielfältig, wie die Studie der Statistik Austria zeigt. Maßgeblich ist aber auch die Kinderbetreuung, die damit einhergehende Erwerbsunterbrechung und Teilzeitarbeit. 75 Prozent aller Mütter mit unter 15-jährigen Kindern haben sich für Teilzeitarbeit entschieden. Keine von ihnen solle aber dazu gezwungen sein, sagt die Familienministerin. Kinderbetreuungseinrichtungen müssten länger geöffnet haben. Ihr Ausbau werde vorangetrieben. Ebenso würden Informationen zu den Folgen längerer, geringer Teilzeitarbeit ausgearbeitet. Bewusstseinsbildung brauche es aber auch bei den Vätern. Ihre Beteiligung an der Familienarbeit sei in diesem Zusammenhang besonders wichtig. VN-ebi