Julia Ortner

Kommentar

Julia Ortner

Was Frauen wollen und was sicher nicht

05.03.2019 • 05:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Und wieder ist internationaler Frauentag, der Tag, an dem sich ja manche Männer mit gut gemeinten Ideen um Frauen bemühen, immerhin einmal im Jahr; oder manche Firmen mit halblustigen Werbe-Aktionen um die Gunst der Konsumentinnen werben. Da all das für das Leben von Frauen nichts bringt, vorab zehn praktische Hinweise, was viele sich nicht nur am 8. März wünschen. Eine Zusammenfassung, die 2018 ähnlich aussah – nur kommen jährlich neue Punkte hinzu.

1. Frauen wollen gleiche Bezahlung für gleiche Leistung. Es ist völlig egal, ob die Differenz beim Vergleich von Brutto-Vollzeit-Löhnen 20 oder „nur“ acht Prozent beträgt.

2. Frauen wollen nicht gegeneinander ausgespielt werden, ob Jüngere oder Ältere, Mütter oder Nicht-Mütter. Viele sind irgendwann von beruflicher Diskriminierung, Sexismus oder sexueller Gewalt betroffen und möchten als Menschen ernstgenommen werden. Genauso wie Männer das wollen.

3. Frauen wünschen sich mehr Bewusstsein für patriarchale Strukturen und das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen – Gewalt gegen Frauen ist ein Problem, das sie gesamte Gesellschaft und damit uns alle betrifft.

4. Lieber als Mann Frauen manchmal nur zuhören und sie nicht belehren. Gerade nicht, wenn es um ihren Ton geht: Frauen können auch wütend, uncharmant, radikal sein, wenn sie Ungerechtigkeiten und Probleme thematisieren. Gleichstellung kann man nicht herbeikuscheln.

5. Bitte Sexismus einfach als Sexismus benennen, offen diskutieren und nicht herumeiern. Wie im Fall der sexistischen Aussage des neuen Tiroler SPÖ-Chefs Georg Dornauer über eine grüne Landesrätin. Dornauer wird am Sonntag trotz Turbulenzen Parteivorsitzender, in der „ZiB1“ sprechen die Journalisten verhalten von seiner „als sexistisch bewerteten Aussage“ oder einem „als sexistisch kritisierten Sager“.

6. Nicht ungeniert fragen, warum eine Frau keinen Partner hat.

7. Nicht ungeniert fragen, warum eine Frau kein Kind hat.

Frauenversteher ist kein Schimpfwort – es heißt nur, dass man die andere Hälfte der Menschheit respektiert.

8. Nicht ungeniert fragen, wie eine Frau Job und Kind vereinbaren kann. „Politkarriere mit Baby – Wie soll das gehen, Frau Meinl-Reisinger?“ fragt die „Krone“ natürlich die Neos-Chefin. FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache fragt sie das nicht.

9. Als politischer Funktionär oder Betriebsratsmensch am Weltfrauentag keine Blumen verteilen, auf Stimmenfang für die nächste Wahl. Lieber für faire Behandlung aller in der Arbeitswelt sorgen.

10. All die Männer ohne Frauenproblem könnten sich auch sichtbarer mit Frauen solidarisieren. Und zwar nicht erst, wenn man merkt, dass die eigene Partnerin oder Tochter als Frau schlechter behandelt wird. Frauenversteher ist kein Schimpfwort – es heißt nur, dass man die andere Hälfte der Menschheit respektiert.