Guaidó plant Sturm auf Caracas

10.03.2019 • 21:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó ruft zum Protestmarsch auf. afp
Der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó ruft zum Protestmarsch auf. afp

Massiver Stromausfall sorgt für Zuspitzung der Krise in Venezuela.

caracas Seit Wochen wogt der Machtkampf in Venezuela schon – jetzt will der selbst ernannte Interimspräsident eine Entscheidung erzwingen. Er werde zu einer Rundreise durch das ganze Land aufbrechen und seine Anhänger für einen Marsch auf die Hauptstadt mobilisieren, kündigte er bei einer Demonstration am Wochenende an. Der Oppositionsführer will den sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro aus dem Amt drängen, eine Übergangsregierung einsetzen und Neuwahlen ausrufen.

„Es kommen harte Tage auf uns zu. Das Regime wird versuchen, uns zu spalten“, sagte Guaidó bei einer Kundgebung in der venezolanischen Hauptstadt. „In diesem Kampf ist es fundamental, dass wir weiter auf die Straße gehen.“ Die Eroberung der Räume werde „friedlich, verfassungsgemäß und geordnet sein“, schrieb Guaidó auf Twitter. Allerdings machte er auch deutlich, dass die Zeit für den „falschen Dialog“ abgelaufen sei. Regierung und Opposition hatten in den vergangenen Jahren mehrfach erfolglos versucht, die Krise mit Gesprächen beizulegen.

Kein Strom mehr

Venezuela steckt in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Zuletzt legte ein massiver Stromausfall weite Teile des Landes lahm. Einige Regionen waren seit Donnerstagabend von der Elektrizitätsversorgung abgeschnitten.

Zahlreiche Geschäfte blieben wegen des Stromausfalls geschlossen, in Caracas funktionierte die Metro nicht, am internationalen Flughafen fielen zahlreiche Flüge aus. In mehreren Städten gingen die Menschen auf die Straße, um gegen den Stromausfall zu protestieren. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Médicos por la Salud (Mediziner für die Gesundheit) starben während des Stromausfalls in den Krankenhäusern des Landes mindestens 17 Patienten. Guaidó hatte zuvor sogar von mindestens 79 Todesopfern gesprochen.

Die Regierung gab an, der Stromausfall wurde durch einen Cyberangriff auf ein Regulierungsmodul des Wasserkraftwerks Guri ausgelöst, das 80 Prozent des landesweiten Strombedarfs deckt. „Das ist die heftigste Aggression, der die Republik in ihrer 200 Jahre langen Geschichte ausgesetzt war“, sagte Präsident Nicolás Maduro am Wochenende vor Tausenden Anhängern. Für Guaidó hingegen ist er eine direkte Folge von Korruption und Misswirtschaft und ein Grund, den Notstand erklären zu lassen.

Machtkampf geht weiter

Der Stromausfall stellt ein weiteres Kapitel in dem seit Wochen andauernden Machtkampf zwischen der Regierung und der Opposition dar. Oppositionsführer Guaidó hatte sich am 23. Januar zum Interimspräsidenten erklärt und damit den in einer umstrittenen Abstimmung wiedergewählten Staatschef Maduro herausgefordert. Zwar erkennen zahlreiche westliche Länder Guaidó mittlerweile als rechtmäßigen Übergangspräsidenten an, allerdings konnte er auch wegen der Treue des Militärs zu Maduro in Venezuela selbst noch keine echte Machtposition aufbauen.