Birgit Entner-Gerhold

Kommentar

Birgit Entner-Gerhold

Grauslich

Politik / 28.03.2019 • 09:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der Nationalrat hat am Mittwoch das Volksbegehren für ein absolutes Rauchverbot entsorgt. Mit schwarz-blauer Mehrheit werden nun fast 900.000 Unterschriften offiziell ignoriert. Was bleibt: Raucherbereiche in Lokalen und eine Absage an die direkte Demokratie.

Es ist ein Trauerspiel. Die ursprüngliche Regelung, wonach das absolute Rauchverbot in der Gastronomie ab Frühjahr 2018 hätte gelten sollen, haben ÖVP und FPÖ längst gekippt. Es ist fast zynisch, wenn sie sich jetzt damit rühmen, dadurch eine Diskussion übers Rauchen angestoßen und zur Bewusstseinsbildung beigetragen zu haben. Die Zahl der Raucherinnen und Raucher gehe bereits zurück, sagen sie.

Kerzen und Feinstaub

Kopfschütteln verursacht außerdem, wenn FPÖ-Mandatar Peter Wurm  wissenschaftliche Belege zur Schädlichkeit des Passivrauchens abstreitet: „Die ominösen Tausenden Toten beruhen auf einer mathematischen Formel“, behauptet er. Und überhaupt: „Wenn Sie mehrere Kerzen im Wohnbereich anzünden, ist die Feinstaubbelastung höher als in einem Raucherbereich.“ Die ÖVP setzt auf andere Schwerpunkte, etwa auf Workshops und Apps zur Bewusstseinsbildung gegen Rauchen. „Wir werden alles tun, damit möglichst viele Jugendliche nicht damit beginnen“, sagt Abgeordnete Gabriela Schwarz.

Es ist fast zynisch, wenn sich ÖVP und FPÖ damit rühmen, eine Diskussion übers Rauchen angestoßen zu haben.

Bewusstseinsbildung ist gut. Aber hat man schon einmal daran gedacht, dass rauchende Erwachsene in Raucherlokalen eine Vorbildfunktion haben könnten? Oder dass 95 Prozent der jugendlichen Raucher auch in Lokalen rauchen? Das behauptet nicht irgendwer, sondern Lisa Brunner, die Leiterin für Suchtprävention der Drogenkoordination in Wien. Wäre es dann nicht doch der beste Jugendschutz, Raucherbereiche abzuschaffen? Noch dazu wäre jenen Erwachsenen geholfen, die sich vorgenommen haben, das Rauchen zu lassen.

Alle hätten profitiert

Unterm Strich hätten also alle etwas davon; vor allem aber unsere Gesundheit würde profitieren, wie ein Überblick von Florian Stigler, Experte für öffentliche Gesundheit, zeigt. So belege eine Studie, dass ein absolutes Rauchverbot die Anzahl der Spitalsaufnahmen bei Herzinfarkten um 15 Prozent und bei Schlaganfällen um 16 Prozent reduzieren könne. Hinzu kommen weniger Lungenentzündungen und Asthmafälle bei Kindern und Jugendlichen. Nicht zu vergessen sind die Kellner, deren Krebsrisiko laut einer skandinavischen Langzeitstudie unter anderem aufgrund des Passivrauchs deutlich steigt.

ÖVP und FPÖ argumentieren hingegen, dass sich Kellner mittlerweile ohnehin aussuchen können, wo sie arbeiten. Jugendliche Arbeitnehmer dürften in der Gastronomie außerdem nur noch eine Stunde statt bisher vier Stunden im Raucherbereich tätig sein, erwähnt Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). Nur zur Info: Null Stunden im Raucherbereich wären gesünder. Dann aber müsste den Gastwirten „ihre Gastfreundschaft“ verboten werden, wie Hartinger-Klein allen Ernstes im Februar 2018 erklärte. Aber gut: Sie hat ja auch das von ÖVP und FPÖ gekippte absolute Rauchverbot als grauslich bezeichnet.

Grauslich ist in Wirklichkeit nur, dass die ursprüngliche Regelung nicht in Kraft treten durfte. Daran hat auch das Volksbegehren nichts geändert. Es wird zwar als groß, leider aber wirkungslos in die Geschichte eingehen.