Mögliche Sicherheitsmängel bei AKW Mochovce sorgen für Entsetzen

Politik / 04.04.2019 • 22:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Aktivistin verweist auch auf problematische Meiler in der Nähe Vorarlbergs.

wien Rund 100 Kilometer ist das slowakische Atomkraftwerk Mochovce von der österreichischen Grenze entfernt. Die neuen Reaktorblöcke 3 und 4 sollen in den kommenden Monaten in Betrieb gehen. Vor Kurzem haben Berichte ehemaliger Arbeiter und Ingenieure, die sich an die Umweltorganisation Global 2000 gewandt haben, für Aufregung gesorgt. Foto-Dokumente und Zeugenaussagen würden belegen, dass Bohrungen die Sicherheitshülle des Reaktors beschädigt hätten, berichtete Global 2000. Bei einem Erdbeben oder bei Explosionen in Folge eines schweren Unfalls bestehe die Gefahr, dass die Hülle keinen Schutz mehr biete. Diese Aussagen riefen die österreichische Politik auf den Plan. Sämtliche Parteien kritisieren die Vorgänge im Nachbarland. Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) forderte die vollständige Aufklärung durch die slowakischen Behörden. Die Bundesregierung solle eine Klage auf EU-Ebene einbringen, verlangte der SPÖ-Nationalratsabgeordnete Erwin Preiner am Donnerstag. Problematische Vorgänge um das AKW Mochovce seien grundsätzlich nichts Neues, wie Vorarlbergs langjährige Anti-Atom-Aktivistin und Russ-Preis-Trägerin Hildegard Breiner (83) im VN-Gespräch erläutert. „Immer wieder sind entsetzliche Einzelheiten durchgedrungen.“ Umweltorganisationen versuchten schon die längste Zeit, Aufmerksamkeit auf die Probleme zu lenken. „Wir haben uns immer gewundert, dass sich die Wiener nicht mehr dagegen wehren, immerhin ist Mochovce rund 150 Kilometer von Wien entfernt.“

Breiner spart nicht mit Kritik: „Es ist eine Unverfrorenheit, dass man diese veraltete Technik auf die Menschheit loslässt.“ Bei Mochovce handle es sich sicher um eines der gefährlichsten AKW. „Doch es gibt so viele Kraftwerke, die in die Jahre gekommen sind. Betriebszeiten werden überall einfach verlängert. Das wird also von Jahr zu Jahr schlimmer“, betont die Obfrau des Vorarlberger Naturschutzbundes. In einer Entfernung von 150 Kilometern ab der Grenze ist Österreich von zwölf AKW umgeben. Nahe Vorarlberg befinden sich etwa das deutsche AKW Gundremmingen und die Schweizer Meiler Leibstadt, Gösgen sowie Beznau I und II. Das AKW Mühleberg geht heuer vom Netz.

In Deutschland soll der stufenweise Atomausstieg bis 2022 vonstatten gehen. Die Schweiz besiegelte 2017 in einer Volksabstimmung den Abschied von der Kernenergie. Ziel der Energiestrategie 2050 ist der allmähliche Ausstieg, es dürfen aber keine neuen Meiler ans Netz gehen. Aktivistin Breiner verweist in diesem Zusammenhang auf problematische AKW in Grenznähe. Beznau gilt als eines der ältesten Kernkraftwerke der Welt. 2018 protestierte die schwarz-grüne Vorarlberger Landesregierung gegen die Wiederinbetriebnahme des Meilers I im Nachbarland. Das AKW weise über 3000 Materialfehler auf, es sei seit dem Jahr 2015 völlig zurecht stillgestanden, hieß es damals. Beznau ist etwa 110 Kilometer von Vorarlberg entfernt. Aktivistin Breiner meint dazu: „Man muss es faktisch verdrängen, sonst hat man Überlebenssorgen.“ VN-RAM

„Es gibt viele AKW, die in die Jahre gekommen sind. Betriebszeiten werden überall verlängert.“