Schönborn tritt für verheiratete Priester und Diakoninnen ein

Politik / 14.04.2019 • 22:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Asylwerber werden unter Generalverdacht gestellt“, wirft Schönborn ÖVP und FPÖ vor. Die Regierung würde teils unmenschliche Signale setzen.

Der Kardinal sprach über Reformen und ging mit der Asylpolitik der Bundesregierung hart ins Gericht.

Wien Kardinal Christoph Schönborn ist nicht der Chef der österreichischen Kirche. Darum könne er auch nicht in ein anderes Bundesland – in andere Diözesen, Stifte oder Orden – hineinregieren. Dennoch hat er eine klare Meinung zu vielen Themen, wie die Pressestunde mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann und Gaby Konrad (ORF) am Sonntag zeigte.

Schönborn verteidigte etwa seine Aussage, der früheren Ordensfrau Doris Wagner Glauben zu schenken. Diese hatte über Missbrauchs­erfahrungen in der Vorarlberger Ordensgemeinschaft „Das Werk“ berichtet. „Ich glaube Ihnen das“, sagte Schönborn Anfang des Jahres zu ihr. Das „Werk“ hatte ihn dafür kritisiert, Schönborn bleibt dennoch dabei. Er habe Wagner mit dem Satz verdeutlicht: „Ich vertraue dem, was Sie mir sagen, es ist mir glaubwürdig.“

Grundsätzlich erklärt der Kardinal zu den immer wieder aufkommenden Missbrauchsskandalen, dass diese vor allem durch „geschlossene Systeme“ begünstigt würden. Das sei nicht nur in der Kirche so, sondern auch im Ballett oder im Schiverband. „Leider wird es immer Missbrauch geben, weil Gewalt, Macht und Sexualität sehr schwer zu beherrschende Kräfte sind. Aber offene Systeme sind der beste Schutz dagegen.“

Angesprochen auf mögliche Reformen in der Kirche meint der Kardinal, dass es in Österreich so etwas wie einen Rechnungshof für Diözesen, Orden und Stifte brauche, um Skandale wie die „Causa Schwarz“ verhindern zu können. Außerdem stellt er fest, müssten Frauen mehr Platz erhalten; in Führungspositionen und als Diakoninnen. In Sachen Priesterinnenweihe bleibt Schönborn zurückhaltend. Diakone könnten hingegen zu Priestern werden, glaubt er. Die Erfahrungen, die man in der Seelsorge mit verheirateten Diakonen habe, seien sehr gut – daher könne er sich vorstellen, dass es neben zölibatären Priestern auch verheiratete gebe.

Mit der Asylpolitik von ÖVP und FPÖ geht der Kardinal unterdessen hart ins Gericht. „Eine kleine Gruppe wird systematisch in ein schiefes Licht gerückt. Asylwerber werden unter Generalverdacht gestellt.“ Die Regierung setze Signale, die nicht notwendig seien. Dazu zähle auch die Anbringung des Schildes „Ausreisezentrum“ bei der Erstaufnahmestelle Traiskirchen: „Das ist unmenschlich.“ VN-ebi