Sri Lankas Regierung glaubt an Racheakt

Politik / 23.04.2019 • 22:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nadja Dobler konnte ihren Rückflug wie geplant antreten. dobler
Nadja Dobler konnte ihren Rückflug wie geplant antreten. dobler

Dschihadistenmiliz IS reklamiert Terrorserie für sich.

colombo Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat die Selbstmordanschläge auf Hotels und christliche Kirchen in Sri Lanka mit mehr als 300 Todesopfern für sich reklamiert. Das IS-Sprachrohr Amak berichtete am Dienstag in sozialen Netzwerken, die Angreifer seien IS-Kämpfer gewesen. Nach Einschätzung der Regierung Sri Lankas waren die Anschläge als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht, wie Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene im Parlament des Inselstaates erklärte. Die Echtheit der Bekennernachricht ließ sich nicht unabhängig überprüfen.

Sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu zeitgleich in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und einer Wohngegend in Vororten Colombos. Die Zahl der Toten lag nach Regierungsangaben vom Dienstag bei 321 – darunter 37 Ausländer. Österreicher sind nach bisherigen Erkenntnissen nicht darunter. Laut Unicef kamen 45 Kinder ums Leben. Mehr als 500 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt. 42 Menschen waren laut Polizei in Gewahrsam. Darunter sei auch ein syrischer Staatsbürger.

Nach Angaben von Premierminister Ranil Wickremesinghe sind noch einige Verdächtige auf der Flucht. Manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff.

Geheimdiensthinweise

Vize-Verteidigungsminister Wijewardene sagte, eine extremistische Islamistengruppe mit Verbindungen zur Gruppe National Thowheeth Jamaath habe nach Einschätzung der Regierung die Anschläge verübt. Rachegelüste und Hass hätten die Täter motiviert – nicht Religion. Zuvor hatte die Regierung die National Thowheeth Jamaath direkt verantwortlich gemacht. Es hatte vor den Attacken Hinweise auf Anschlagspläne der Gruppen gegeben, wie Kabinettssprecher Rajitha Senaratne am Montag erklärte. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert. „Wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid“, sagte Senaratne im Namen der Regierung. Die Regierung sei überzeugt, dass die Täter Hilfe aus dem Ausland gehabt haben müssen. „Wir glauben nicht, dass diese Angriffe von einer Gruppe von Menschen verübt wurden, die auf dieses Land begrenzt waren“, sagte Senaratne. „Es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären.“ 

Sirisena erklärte in der Nacht zum Dienstag einen öffentlichen Notstand. Die Sicherheitskräfte sollen seinem Büro zufolge weitreichende Befugnisse erhalten. Der Dienstag wurde zu einem nationalen Trauertag erklärt. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. In Sri Lanka sind etwa sieben Prozent der 20 Millionen Einwohner Christen. Rund zehn Prozent sind Muslime. Die meisten Einwohner sind Buddhisten.

„Es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären.“

In Sri Lanka herrscht nach den Anschlägen mit mehr als 300 Todesopfern Trauer und Entsetzen. reuters
In Sri Lanka herrscht nach den Anschlägen mit mehr als 300 Todesopfern Trauer und Entsetzen. reuters