Sri Lankas Polizeichef muss gehen

Politik / 24.04.2019 • 22:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die St.-Antonius-Kirche in Sri Lankas Hauptstadt Colombo wird von schwer bewaffneten Sicherheitskräften bewacht.   afp
Die St.-Antonius-Kirche in Sri Lankas Hauptstadt Colombo wird von schwer bewaffneten Sicherheitskräften bewacht.   afp

Hintergründe der Anschläge in Sri Lanka sind noch nicht geklärt.

colombo Sri Lankas Regierung räumt nach den Anschlägen am Ostersonntag auf und Fehler ein. Fehler wurden etwa bei der Weitergabe von Geheimdienstinformationen gemacht. Am Mittwoch hat Staatspräsident Maithripala Sirisena erste Konsequenzen angekündigt. Er wies seinen Polizeichef und einen hochrangigen Beamten im Verteidigungsministerium an, ihre Kündigung einzureichen. Sirisena hatte bereits am Dienstag mitgeteilt, innerhalb von 24 Stunden die Führung der Sicherheitsbehörden des Landes auszutauschen, weil Hinweise von ausländischen Geheimdiensten auf Anschlagspläne nicht an ihn weitergegeben wurden.

Sieben einheimische Selbstmord­attentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu gleichzeitig in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und in einer Wohngegend in Vororten Colombos. Ein weiterer Anschlag auf ein Fünf-Sterne-Hotel scheiterte.

Die Zahl der Toten lag am Mittwoch bei 359, darunter waren 34 Ausländer, 14 wurden noch vermisst. Mehr als 400 Verletzte wurden in Krankenhäusern behandelt. 60 Personen waren laut Polizei in Gewahrsam, alle seien Sri Lankesen. Die Regierung gab zwar bislang einige Details über die Attentäter bekannt, die Hintergründe sind aber großteils noch ungeklärt.

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge könnte der islamische Prediger Zahran Hashim sein. In dem am Dienstag von der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) veröffentlichten Bekenner-Video leitet Hashim die mutmaßlichen Angreifer in einem Treueschwur auf IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi an. Sri Lankas Regierung hatte Hashim bereits indirekt für die verheerende Anschlagserie verantwortlich gemacht, als sie die Tat der einheimischen Islamistengruppe National Thowheeth Jama‘ath (NTJ) zuschrieb. Hashim gilt als deren Anführer. Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene zufolge seien die meisten der Attentäter gebildet gewesen und hätten der oberen Mittelschicht angehört. Sie hätten im Ausland studiert, einer von ihnen vermutlich in Großbritannien und Australien.

Insgesamt seien neun Selbstmordattentäter an den Anschlägen beteiligt gewesen, darunter eine Frau. Acht von ihnen seien bisher identifiziert worden. Mögliche Verbindungen zum IS würden noch geprüft. Dieser hat die Selbstmord­anschläge für sich reklamiert.