Wozu wir Steuern zahlen

Politik / 05.05.2019 • 21:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Umverteilung: 70 Prozent der Haushalte sind Nettoempfänger.

WIEN Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht mehr so, dass die Steuer- und Abgabenquote in Österreich ziemlich hoch ist; es ist nicht nur auf Bürokratie und Doppelgleisigkeiten zurückzuführen, sondern auch auf die Umverteilung: Alle zahlen mehr oder weniger ein, alle bekommen mehr oder weniger zurück. Unterm Strich geschieht ein gewisser Ausgleich: „Österreich ist bekannt dafür, dass die Einkommen vor der Umverteilung relativ ungleich sind. Durch die Umverteilung wird das etwas ausgeglichen“, analysierte Martin Kocher, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS) unlängst im VN-Interview.

Mehr staatliche Leistungen

Wie stark diese Umverteilung ist, hat der Budgetdienst des Parlaments in einer Studie ermittelt: 70 Prozent der Haushalte sind Nettoempfänger. Das heißt, dass sie mehr staatliche Leistungen bekommen als sie direkte Steuern und Beiträge zahlen. Bei gerade einmal 30 Prozent ist es umgekehrt, sie sind Nettozahler.

Indirekte Abgaben nicht enthalten

Für die Rechnung berücksichtigt hat der Budgetdienst die Lohn- und Einkommensteuer sowie die Sozialversicherungsbeiträge, die auf die Dienstnehmer entfallen. Indirekte Abgaben wie die Umsatz- oder die Mineralölsteuer sind nicht darin enthalten. Auf der anderen Seite sind alle monetären Transferleistungen erfasst. Das sind Sozialleistungen im weitesten Sinne, von der Familienbeihilfe über das Arbeitslosengeld und die Mindestsicherung bis hin zu den Pensionen. Nicht inkludiert sind Sachleistungen wie Schulen.

Die Ergebnisse im Detail: Im untersten Dreißigstel beziehungsweise den Haushalten mit den niedrigsten Einkommen betragen die Abgaben durchschnittlich 290 Euro pro Jahr. Einfache Erklärung: Lohnsteuer fällt in ihrem Fall noch keine an und die Sozialversicherungsbeiträge sind bescheiden. Die Transferleistungen, die sie erhalten, summieren sich auf 5190 Euro. Netto bekommen sie damit um 4900 Euro mehr als sie einzahlen. Im obersten Dreißigstel bzw. den Haushalten mit den höchsten Einkommen machen die Steuern und Beiträge im Schnitt 89.426 Euro pro Jahr aus. Von Transferleistungen profitieren sie zwar im Umfang von 28.111 Euro, alles in allem zahlen sie aber doch 61.315 Euro mehr ein als sie bekommen. Der Übergang von Nettoempfängern zu Nettozahlern findet erst nach 70 Prozent der Haushalte statt. Sprich: Nur die verbleibenden 30 Prozent verdienen so viel, dass ihre Steuern und Beiträge die Transfers übersteigen, die vom Staat an sie fließen.

„Sollte nicht Ziel sein“

Die Höhe der Transferleistungen für Spitzenverdiener fand Koch im Interview mit den VN übrigens bemerkenswert: „Das sollte nicht unbedingt das Ziel der Sozialpolitik sein.“ Es ist jedoch systembedingt: Besonders Pensionen bemessen sich an den Beiträgen; wer viel und lange eingezahlt hat, bekommt mehr. JOH