Die Waffen schweigen wieder – vorerst

Politik / 06.05.2019 • 20:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Palästinenser ist in seine durch israelische Luftangriffe schwer beschädigte Wohnung am Gazastreifen zurückgekehrt. afp
Ein Palästinenser ist in seine durch israelische Luftangriffe schwer beschädigte Wohnung am Gazastreifen zurückgekehrt. afp

Pause nach Gewaltausbruch zwischen Israel und Palästinensern.

Tel Aviv, Gaza Es war der heftigste Gewaltausbruch seit dem Gaza-Krieg 2014 und hat mehr als zwei Dutzend Menschenleben gekostet. Nun schweigen zwischen Israel und den militanten Palästinensern im Gazastreifen wieder die Waffen – zumindest vorerst. Nach Berichten über diese neue Waffenruhe hob Israels Armee am Montag alle Einschränkungen für die israelische Bevölkerung im Grenzgebiet wieder auf.

Militante Palästinenser hatten nach Angaben der israelischen Armee seit Samstag rund 700 Raketen auf Israel abgefeuert. Vier Israelis wurden getötet und mehr als 100 verletzt. Angriffe der israelischen Armee töteten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza insgesamt 25 Palästinenser, 160 seien verletzt worden.

Für die Waffenruhe gab es von keiner Seite eine offizielle Bestätigung, aber die gegenseitigen Angriffe hörten über Nacht auf. Bis zum Montagnachmittag gab es keine neuen Raketenangriffe aus dem Küstenstreifen, und Israels Luftwaffe griff keine Ziele mehr an. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu betonte jedoch am Montag, der Kampf gegen die militanten Palästinenserorganisationen sei noch nicht beendet. „In den letzten beiden Tagen haben wir Hamas und Islamischen Dschihad mit großer Macht attackiert, wir haben mehr als 350 Ziele beschossen“, sagte er. „Die Kampagne ist noch nicht vorbei, sie braucht Geduld und Augenmaß. Wir sind bereit, weiterzumachen.“ Wichtigstes Ziel sei es, Ruhe und Sicherheit für die Einwohner des israelischen Südens zu erzielen.

Hamas-Chef Ismail Hanija hatte am Sonntagabend mitgeteilt, man sei zu einer neuen Feuerpause bereit, falls Israel sich ebenfalls daran halte. Kurz darauf richtete US-Präsident Donald Trump eine Warnung an die Palästinenser im Gazastreifen und sicherte dem Verbündeten Israel die volle Unterstützung der USA zu.

Seit Beginn teilweise gewaltsamer Proteste an der Gaza-Grenze zu Israel im März vergangenen Jahres ist es immer wieder zu ähnlichen Gewaltausbrüchen zwischen beiden Seiten gekommen. Nach einem heftigen Schlagabtausch im November hatte Ägypten eine Waffenruhe ausgehandelt, die allerdings nicht von Dauer war.

Im Rahmen der neuen Waffenruhe hat Israel sich nach palästinensischen Medienberichten dazu verpflichtet, die Blockade binnen einer Woche zu lockern und die monatliche Übermittlung von Geldern Katars zu erlauben. Nach Medienberichten hatte Hamas darauf bestanden, dass das Geld in Höhe von umgerechnet rund 27 Millionen Euro noch vor Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan am Montag übermittelt wird.

Die Gewalt zwischen israelischer Armee und militanten Palästinensern eskalierte nur gut eine Woche vor dem internationalen Gesangswettbewerb Eurovision Song Contest (ESC), der dieses Jahr in Tel Aviv ausgetragen wird.

„Die Kampagne ist noch nicht vorbei, sie braucht Geduld und Augenmaß.“