Böhmermann kommentiert Österreich : ORF distanziert sich

07.05.2019 • 13:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
AP/Vennenbernd
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Der ORF sendete zwar das komplette Interview, aber ORF-Moderatorin Clarissa Stadler distanzierte sich von „provokanten“ Aussagen.

Wien Die gewohnten ironisch-kritischen Anmerkungen zu Österreich unter türkis-blauer Führung hat der deutsche Satiriker Jan Böhmermann im Interview mit dem ORF-„Kulturmontag“ anlässlich der Eröffnung seiner Grazer Ausstellung „Deutschland Anschluss Österreich“ geäußert. Der ORF sendete zwar das komplette Interview, aber ORF-Moderatorin Clarissa Stadler distanzierte sich von „provokanten“ Aussagen.

Damit gemeint waren wohl vor allem Böhmermanns Äußerungen über die Regierungsspitze. So befand er es als „nicht normal“, dass ein Land mit einer wichtigen Vermittlerrolle zwischen Ost und West „geführt wird von einem 32-jährigen Versicherungsvertreter“ – „ein Versicherungsvertreter mit Haargel, haben Sie niemand Besseren?“

Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) bekam sein Fett ab: Es sei „kein Zustand, dass der Vizekanzler eines Landes wie Österreich sagt, ich hau‘ bei Facebook volksverhetzende Scheiße raus oder geh‘ Journalisten an, und hinterher ist alles Satire“. Politiker sollten Politik machen und nicht Satire. Und wenn „ein Politiker Quatsch macht und hinterher sagt, das wär ein Witz, da würde ich… ganz toll aufpassen“.

„Acht Millionen Debile“

Für empörte Kommentare von FPÖ-Politikern in Aussendungen, auf FPÖ-nahen Onlineseiten oder auch jener der „Kronen Zeitung“ sorgte Böhmermanns Weiterentwicklung eines Zitats aus Thomas Bernhards „Heldenplatz“. Angesprochen auf den dortigen (Ende der 80er-Jahre höchst erregt diskutierten) Befund, Österreich bestehe aus „sechseinhalb Millionen Debilen und Tobsüchtigen“ merkte der deutsche Satiriker an, dass sich das Rad der Zeit ja weiterdrehe – es somit jetzt „acht Millionen Debile“ wären, und der Ruf nach autoritärer Führung sei immer noch sehr laut.

Er stellte übrigens selbst die Frage, ob der ORF diese seine Aussagen denn senden dürfe – und „ob’s da noch was zu lachen gibt“ beim ORF, drohe doch eine Reform samt Umbenennung in „FPÖ-TV“ und die Finanzierung über Steuern, „um den Sender näher ranzuholen an den Staat, wo er hingehört“. Gesendet wurde Böhmermanns Interview vom ORF, und es wurde auch, anders als er selbst auf Twitter behauptete, nichts „weggepiepst“. Aber „Kulturmontag“-Moderatorin Stadler hielt gleich anschließend fest: „Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns“. Und ergänzte: „Aber wie Sie wissen, darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Rundfunk künstlerische Meinung wiedergeben.“

FPÖ regt sich auf

Für die FPÖ war dies eine weitere Gelegenheit, sich über den ORF aufzuregen. Generalsekretär Harald Vilimsky zeigte sich empört, weil die Distanzierung des ORF nur eine „halbherzige“ gewesen sei. Der Öffentlich-Rechtliche entwickle sich „immer mehr zu einer reinen Propagandamaschine von Rot-Grün“ und habe sich in den letzten Wochen „immer mehr als Wolf im Schafspelz entpuppt“. Ihm würde es „zwar nie in den Sinn kommen, die Einladungspolitik des ORF als ‚debil‘ zu bezeichnen – hinterfragenswürdig ist sie aber allemal“, plädierte der zweite Generalsekretär Christian Hafenecker einmal mehr für die Abschaffung der GIS-Gebühren, also die Steuerfinanzierung des Öffentlich-Rechtlichen. APA