Eine Lücke im Wahlkampf gefüllt

07.05.2019 • 16:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Stainer-Hämmerle: „Die Trennlinien verliefen wie erwartet.“
Stainer-Hämmerle: „Die Trennlinien verliefen wie erwartet.“

WIen Wenn Frauen diskutieren, sind die Erwartungen des Publikums andere. Mehr Disziplin, mehr Faktentreue, mehr Respekt, mehr Sachorientierung. Die Diskussion hat diese Erwartungen erfüllt. Es dauerte eine ganze halbe Stunde, bis Sarah Wiener etwas lauter wurde und Petra Steger diese Emotion thematisierte. Ansonsten verliefen die Trennlinien zwischen den Kandidatinnen wie erwartet. Karoline Edtstadler verteidigte als Staatssekretärin Maßnahmen der Bundesregierung gegen Julia Herr als Vertreterin der SP-Opposition, die umgekehrt Realitätsferne konstatierte. Petra Steger erfüllte ihre unterstützende Rolle als blaue Koalitionspartnerin und fand in der grünen Quereinsteigerin Sarah Wiener ihre Kontrahentin. Claudia Gamon von den Neos blieb ihrer Wahlkampfstrategie treu und entzog sich konsequent der innenpolitischen Debatte. Auch inhaltlich gab es wenig Neues oder Trennendes. Einig waren sich die Kandidatinnen bei der Wichtigkeit des Klimaschutzes, bei der Sicherung eines würdevollen Lebens, bei der Stärkung der regionalen Landwirtschaft oder der Bedeutung der EU. Die Unterschiede wurden bei den Maßnahmen erkennbar. Und die verliefen überraschend teilweise konträr zu eigenen innenpolitischen Positionen oder zur Parteilinie. Bei der CO2-Steuer setzt (sonst ganz Law-and-Order Politikerin) Edtstadler auf „Fördern statt Strafen“. Die liberale Gamon lobt sozialpartnerschaftliche Modelle. Steger übernimmt den VP-Slogan „echte Wahlfreiheit“ bei der Kinderbetreuung. Herr verteidigt ihre Aussage zu Verstaatlichung und Wiener gibt sich auch mit einer niedrigeren Frauenquote als halbe-halbe zufrieden.

Gleichstellung betrifft alle

Diese Diskussion war aber vor allem wichtig und aufschlussreich, weil sie eine thematische Lücke gefüllt hat. Bei allen Listen – mit Ausnahme von Neos und der wenig aussichtsreichen KPÖ – stehen Frauen an zweiter Stelle. Wenn meistens Männer miteinander diskutieren, findet das Thema Gleichstellung wenig Beachtung. Das verwundert nicht, schließlich will sich keiner der Herren als „mansplainer“ beschimpfen lassen, der in altmodisch patriarchaler Art Frauen die Welt erklärt. Dann lieber nicht die Finger an „Frauenthemen“ verbrennen. Doch Gleichstellung betrifft beide Geschlechter und ist ähnlich entscheidend für die Zukunft der EU wie Sozialpolitik, Migrationsfragen oder Klimaschutz.

Zusätzlich haben Frauen aufgrund ihrer Lebenszusammenhänge andere Regelungsansprüche an die Politik. Sie müssen im Schnitt immer noch mit weniger Geld auskommen, sind mehr auf Leistungen der öffentlichen Hand etwa bei der Betreuung von Kindern oder älteren Familienangehörigen angewiesen, fahren weniger Auto oder bestimmen stärker den Speiseplan der Familie. Daher gelingen nur mit beiden Sichtweisen bessere Ergebnisse in der Politik.