Brandstifter

Politik / 12.05.2019 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Brandstifter sind keine liebenswerten Zeitgenossen. Sie gehören hinter Schloss und Riegel oder in die Psychiatrie. Ein besonders lebensgefährlicher Brandstifter residiert gegenwärtig im Weißen Haus in Washington.

Bei seinem Amtsantritt vor gut zwei Jahren hat dieser Donald Trump mit dem Zündeln angefangen. Wie ein halbstarker Straßengangster forderte er von den Nato-Partnern: „Geld her oder Leben!“ Wenn die Bündnispartner nicht viele zusätzliche Milliarden für die Rüstung und amerikanische Stationierungskosten in Europa herausrückten, könnten sie sich den automatischen US-Verteidigungsbeitrag für den Kriegsfall in Europa abschminken.

Danach legte er Brandherde Schlag auf Schlag: US-Austritt aus dem Klimaschutzabkommen, er kündigte weltweit Wirtschaftsstabilität sichernde Handelsabkommen, trat das amerikanisch-europäische Atom-Abkommen mit dem Iran in die Tonne und erklärte die EU zum „Widersacher der USA“.

Danach verhängte er gegen die mit den USA verbündeten Länder in Europa und anderswo und „zum Schutz der nationalen Sicherheit“ Strafzölle für deren Stahl- und Aluminium-Ausfuhren und drohte weitere für deren Autoprodukte und beispielsweise Textilien an. (Wie man mit ausländischen Unterhosen eine militärische Großmacht niederringen kann, hat Trump noch nicht verraten.)

Das alles mag in die Kategorie „paranoide Schizophrenie“ fallen. Auch seine wahnhaften Mauerbau-Fantasien, Verfolgungen der Medien („Feinde des Volkes“), die Missachtung demokratischer Spielregeln und seine ultra-rechten Ausfälle. Das alles berührt erst einmal nur die inneramerikanischen Verhältnisse. Für den sogenannten Rest der Welt sind die aktuellen neroesken Aktivitäten Trumps buchstäblich viel brennender.

Der römische Kaiser mag „nur“ Rom in Brand gesetzt haben, doch Trump legt derzeit die Lunte an die Welt: Der Präsident, der einst „nur“ Nordkorea „nuklear plattmachen“ wollte, eröffnete den totalen Handelskrieg mit China, hofiert mörderische Potentaten, will die Noch-nicht-Atommacht Iran in die Knie zwingen, entsendet Kriegsschiffe vor die chinesische und iranische Haustür und droht allen sich US-Ansprüchen widersetzenden Ländern „Vergeltungen“ an.

Was das am Ende bedeuten kann – weltwirtschaftlicher Niedergang mit Elend und Not allerorten und Kriege an diversen Ecken und Enden der Welt – mag sich jeder selbst vorstellen. Und auch mögliche Rettungsmaßnahmen. Etwa kollektiver Widerstand, und die atemlose Hoffnung der freien Welt, dass der Albtraum namens Trump bei der nächsten Präsidentschaftswahl im November kommenden Jahres mit geringstmöglichem Kollateralschaden zu Ende geht. Wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Es sei denn, die Welt lässt den Brandstifter Trump gewähren.

„Für den sogenannten Rest der Welt sind die aktuellen neroesken Aktivitäten Trumps buchstäblich viel brennender.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at