Junge wählen polarisierter

14.05.2019 • 20:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

EU-Wahl: Jugend ist pro-europäischer als es Ältere sind.

brüssel, wien Europas „Junge“ im Alter von 14 bis 24 Jahren sind zwar pro-europäischer eingestellt als die 25- bis 50-Jährigen, beteiligen sich aber weniger an den EU-Wahlen. Zudem sind junge Europäer mit dem Phänomen einer anti-demokratischen Radikalisierung stärker konfrontiert als die Älteren. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage im Rahmen eines EU-Projekts, an dem die Fachhochschule (FH) Salzburg als Partner beteiligt ist und das auch für Österreich gilt. Gegenstand des EU-Projekts „Partnership Against Violent Radicalization in the Cities“ (PRACTICIES) sind die Einstellungen zu Politik und Gesellschaft unter Jugendlichen, die Gründe für anti-demokratische Radikalisierung sowie Strategien für eine demokratische Inklusion. Die Umfrage unter 12.000 Personen wurde in zwölf EU-Ländern, darunter Österreich, in diesem Kontext im Frühjahr 2018 vom Meinungsforschungsinstitut TNS Kantar mit besonderem Blick auf 14- bis 24-Jährige durchgeführt.

Bei der EU-Wahl am 26. Mai werde sich das bisherige Wahlverhalten der Jungen in der EU aller Voraussicht nach nicht gravierend ändern, auch nicht in Österreich, erklärte Markus Pausch, Professor an der FH Salzburg, gegenüber der APA. Im Jahr 2014 beteiligten sich in Österreich an der EU-Wahl 29 Prozent der wahlberechtigten Jugendlichen unter 25 Jahren. Österreich lag hier zwar im EU-weiten Schnitt, der Studie zufolge sind Österreichs 14- bis 24-Jährige aber überdurchschnittlich „stolz“ darauf, Europäer zu sein. 42 Prozent kreuzten diese Frage mit „Ja“ an, das sind um fast zehn Prozentpunkte mehr als der europaweite Schnitt in dieser Altersgruppe, der bei 33 Prozent liegt.

Allerdings ist die Gruppe der 14- bis 24-Jährigen vom politischen Parteiensystem weiter entfernt als die Gruppe der Älteren. Wenn die „Jungen“ zur Wahlurne gehen, „dann wählen sie polarisierter“. Junge Wähler mit einem „geringeren formalen Bildungsabschluss“, also mit Pflichtschul- oder Lehrabschluss, wählten eher die Freiheitlichen, die für einen Rückzug auf den Nationalstaat plädieren, sagte Pausch. Jene mit einem „höheren formalen Bildungsabschluss“, etwa Matura oder Studium, tendierten zu den Grünen oder liberalen Parteien wie den Neos, also jenen politischen Bewegungen, die progressive Vorstellungen zur Zukunft der EU hätten.

Diese Tendenz sei laut Pausch bei allen europäischen Wählern im Alter von 14 bis 24 Jahren feststellbar. Die Parteien der Mitte wie die Volkspartei oder die Sozialdemokratische Partei „verlieren in dieser Altersgruppe an Bedeutung“.