Bundesrat Christoph Längle erklärt, warum die Götzner FP-Mandatare den Parteiaustritt erklärten

Politik / 16.05.2019 • 17:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
 FP-Bundesrat Christoph Längle (l.) wirft Landesparteichef Christof  Bitschi Wortbruch vor und schmeißt sein Parteibuch in den Papierkorb. VN/Lerch
FP-Bundesrat Christoph Längle (l.) wirft Landesparteichef Christof Bitschi Wortbruch vor und schmeißt sein Parteibuch in den Papierkorb. VN/Lerch

Götzner Freiheitliche mit Bundesrat und Gemeinderat Christoph Längle an der Spitze fahren mit schwerem Geschütz gegen die Landespartei auf. Alle Gemeindemandatare traten aus der Partei aus.

Götzis, Bregenz Bevorstehende Wahlen sorgen in den Parteien naturgemäß für ein Sesselrücken. Während die einen ihre gut dotierten Sitze in Gremien wie dem Landtag behalten wollen, drängen andere hinter den Kulissen auf wählbare Listenplätze. Dass im Hinblick auf die Bezirkslisten auch die Landespartei mitreden will, liegt auf der Hand. Dass dieses Kräftemessen zur Eskalation führen kann, macht die Ortsgruppe der Blauen in Götzis deutlich. Dort wollen nämlich fünfzehn Mitglieder der Ortsgruppe, darunter ein Gemeinderat und drei Mandatare von der Landespartei und Christof Bitschi (28) nichts mehr wissen und haben den Parteiaustritt erklärt. Als Grund für die dicke Luft werden Unstimmigkeiten angeführt.

Vorrang für Quotenfrau

„Christof Bitschi hat mich im Hinblick auf die Erstellung der Liste für die Landtagswahl belogen und Wortbruch begangen. Vor diesem Hintergrund haben wir die Konsequenzen gezogen und sind aus der Partei ausgetreten“, bestätigt Christoph Längle (39), der als Bundes- und Gemeinderat jetzt ohne Parteibuch noch bis zum Ende dieser Legislaturperiode tätig ist. Dass Längle nach der Landtagswahl nicht mehr Bundesrat sein wird, ist ihm egal. Er absolviert derzeit Ausbildungswege und will in der Folge als Pädagoge seine Brötchen verdienen. Ihm sei der dritte Listenplatz hinter Bitschi und Klubobmann Daniel Allgäuer(54) von Bitschi persönlich fix versprochen worden. Schlussendlich habe der Parteichef aber hinter seinem Rücken die Quereinsteigerin Andrea Kerbleder (42) als Quotenfrau auf den dritten Platz gehievt.

Christof Bitschi hat mir gegenüber Wortbruch begangen und ich habe die Konsequenzen gezogen.“

Christoph Längle, Bundesrat und Gemeindrat

Geplante Wählertäuschung?

Was Längle noch mehr in Rage gebracht hat, war die Tatsache, dass ihm Bitschi ein gegenüber der Wählerschaft unehrliches Angebot unterbreitet hat. „Bitschi bot mir den dritten Platz an, allerdings unter der Voraussetzung, dass ich schon vor der Wahl schriftlich zusage, dass ich nach der Wahl auf das Mandat im Landtag verzichte und wieder in den Bundesrat gehe. Das wäre Wählertäuschung, daraus habe ich dann die Konsequenzen gezogen.“ Längle, der die Mandatsstärke der Blauen in Götzis in den letzten zehn Jahren verdoppeln konnte und sich seit 22 Jahren für die Partei engagiert, überlegt sich derzeit, ob er bei der Gemeindewahl 2020 mit seinen Mitstreitern als Bürgerliste an den Start geht. Fazit des ganzen Wirbels: Die FP existiert am Kummenberg praktisch nicht mehr und wird sowohl im EU-Wahlkampf als auch im Landtagswahlkampf keine Mitstreiter in Götzis haben.

Landespartei will neue Ortsgruppe gründen

Bitschi selbst war für die VN vorerst nicht zu erreichen. Dafür meldet sich Christian Klien (39) als Landesgeschäftsführer der Freiheitlichen. Er sei, so beteuert Klien, für die Organisation der Partei zuständig. „Es gab Debatten über die Listenplätze zur Landtagswahl. Weil Christoph Längle sich nicht auf dem von ihm gewünschten Platz wiederfand, ist er zurückgetreten“, sagt Klien. Auch Längles Lebensgefährtin Kornelia Ender (53), die bisher für die Landespartei tätig war, habe bei der Partei gekündigt. „Für die Landespartei ist das Ganze sehr bedauerlich. Wir werden aber bereits in den nächsten Wochen eine neue Ortsgruppe in Götzis auf die Beine stellen“, geht der Landesgeschäftsführer davon aus, dass er trotz der Abgänge in der Kummenberggemeinde neue Sympathisanten finden kann.