Aufmarsch der Faschisten

17.05.2019 • 19:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auch Kriegsveteranen, etwa von den Paramilitärs „Schwarze Mambas“, kommen nach Bleiburg. ap
Auch Kriegsveteranen, etwa von den Paramilitärs „Schwarze Mambas“, kommen nach Bleiburg. ap

Das Kroatentreffen in Bleiburg gilt als Stelldichein von Ewiggestrigen.

BLEIBURG Auch heuer dürfen Faschisten wieder in Bleiburg aufmarschieren – trotz des Widerstands von Bürgern, Politikern und der katholischen Kirche. Tausende Kroaten werden heute in der Kärntner Kleinstadt erwartet, um wie jedes Jahr im Mai auf dem Loibacher Feld der Ermordung Tausender Ustascha-Soldaten nach der Kapitulation der Nationalsozialisten 1945 zu gedenken. Rund 40.000 geflüchtete Soldaten, die an der Seite des Deutschen Reichs gekämpft hatten, wurden damals in Bleiburg samt Angehörigen von der britischen Besatzungsmacht an die kommunistischen Einheiten Titos ausgeliefert. Tausende kamen auf dem Rückmarsch nach Jugoslawien ums Leben, Tausende wurden in Jugoslawien hingerichtet.

Die Gedenkfeier in Bleiburg gilt seit Jahren auch als Treffpunkt von kroatischen Ewiggestrigen sowie Nazis aus anderen europäischen Ländern, die den einstigen faschistischen Vasallenstaat Hitler-Deutschlands – den Unabhängigen Staat Kroatien – verklären und dessen Führer Ante Pavelic verehren. Pavelic hatte 1941 mit Unterstützung der Ustascha-Miliz aus Kroatien eine Diktatur gemacht, die Regime-Gegner verfolgte, Konzentrationslager einrichtete und einen Genozid an Hunderttausenden Serben sowie Zehntausenden Juden und Roma verübte. Allein im Todeslager in Jasenovac wurden mindestens 80.000 Menschen ermordet. Das größte der 24 KZ in Kroatien wird von Holocaust-Experten wegen der dort praktizierten Folter- und Tötungsarten als „schrecklicher als Auschwitz“ beschrieben.

Pavelic flüchtete nach Kriegsende mit Hilfe des Vatikans nach Argentinien, Paraguay und zuletzt nach Spanien. Dort starb er 1959 friedlich. Für seine Kriegsverbrechen wurde er nie zur Rechenschaft gezogen. Eine Art Auferstehung feierte Pavelic 1991, als der Jugoslawien-Krieg ausbrach. In Kroatien entstanden paramilitärische Organisationen, die sich zur neuen Ustascha-Bewegung bekannten und gegen die jugoslawische Armee sowie serbische Paramilitärs kämpften. 1993, im bosnischen „Krieg im Krieg“, gingen die Ustascha-Truppen gegen bosnische Muslime vor.

Verletzungen des Verbotsgesetzes

Politische Fahnen und Transparente sowie einschlägige Abzeichen, Symbole und Uniformen sind in Bleiburg untersagt. Trotzdem kam es in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Verletzungen des Verbotsgesetzes. 2018 gab es sieben Festnahmen und neun Anzeigen. Sechs Teilnehmer wurden vor Gericht gestellt, fünf davon verurteilt.

Die Diözese Gurk-Klagenfurt hat heuer erstmals dem kroatischen Bischof die Erlaubnis zur Messfeier am Loibacher Feld entzogen. Als Grund nannte der Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger, die Veranstaltung werde „politisch instrumentalisiert“ und schade dem Ansehen der katholischen Kirche. Dadurch sei das Treffen keine kirchliche Veranstaltung mehr, sondern eine politische.

Die Opposition hat Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) aufgefordert, das „größte Faschistentreffen Europas“ per Weisung zu untersagen. Er lehnte ab. VN-HRJ