Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

Bitschi bröckelt

17.05.2019 • 17:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn Streit, Neid und Missgunst aus einer Partei nach außen schwappen. Auf Bundesebene halten sich ÖVP und FPÖ so penibel daran, das zu vermeiden, dass es schon unwirklich wirkt. Was über Parteigrenzen hinweg auf lange Zeit unmöglich ist, sollte innerhalb einer Landespartei gelingen, denkt man. Tut es aber nicht, wie die Ländle-FPÖ diese Woche eindrucksvoll zeigte.

Starschnitt von sich selbst

Der 28-jährige Parteiobmann Christof Bitschi wollte sich diese Woche eigentlich anders inszenieren. Per Postwurf ließ er einen Riesen-Starschnitt von sich selbst samt „Interview” mit sich verteilen, um seine Partei im Rahmen einer Reformpartnerschaft der ÖVP von Landeshauptmann Markus Wallner doch anzubieten. Vor einem Jahr hörte sich das noch ganz anders an.

Bitschi erlebte diese Woche dann aber seine ganz persönlichen Eisheiligen: In Götzis zog Bundesrat Christoph Längle die Reißleine, insgesamt sind in Götzis gleich zwölf blaue Apostel vom Glauben abgefallen.

„Das Rattengedicht von Braunau, so die kluge Analyse von Thomas Gehl, sei ,ein Zufall zu viel‘ gewesen.“

Dass ein FPÖ-Bundesrat samt Ortsgruppe Adieu sagt und damit die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist schon an sich ein bemerkenswerter Vorgang. Götzis ist immerhin eine der zehn größten Gemeinden und nicht irgendein Winkel Vorarlbergs. Eine kleine Bitschi-Revolution, Ausdruck höchster Unzufriedenheit über das Nicht-Eingebunden-werden auf Landesebene und natürlich auch über Meinungsverschiedenheiten bei Listenplätzen.

Rücktritt vom Rücktritt

Auch die Lorünser FPÖ sah ihre Chance gekommen, kündigte ihren Austritt aus der Bitschi-FPÖ an. Nach umgehenden Rettungsversuchen Bitschis dann der Rücktritt vom Rücktritt. Die FPÖ Vorarlberg eine stabile Partei? Nein, es kracht, offenbar gleich an mehreren Ecken und Enden.

In Meiningen hat der Fraktionsobmann der Freiheitlichen, Gemeinderat Thomas Gehl, seine Mitgliedschaft zurückgelegt und sich damit von seinen früheren Parteifreunden klar distanziert. Das Rattengedicht von Braunau, so seine kluge Analyse, sei „ein Zufall zu viel” gewesen.

Es geht so drunter und drüber bei den Vorarlberger Freiheitlichen, dass das Tohuwabohu unweigerlich an den Monty-Python-Klassiker „Das Leben des Brian” und die zersplitterte „Volksfront von Judäa” sowie die „Judäische Volksfront” erinnert.

Bitschi scheint einerseits seine Parteibasis nicht im Griff zu haben – ein Problem, das die Grünen im Land übrigens auch gut kennen. Andererseits ist die meist von Ausländerthemen geprägte Kickl-Politik der FPÖ-Regierungspartei kommunalen Kräften zu radikal. Gemeinderäten geht es üblicherweise ums friedliche Zusammenleben im Ort, nicht ums Entzünden von Konflikten.

Die Landes-FPÖ hat vier Monate vor der Landtagswahl einen verschleppten, schwelenden internen Konflikt zu lösen, der zum Flächenbrand geworden ist. Es wird sichtbar, dass längst nicht alle hinter Christof Bitschi stehen.

Zu seinem Antritt stellte er sich in sozialen Medien mit einem schweren Vorschlaghammer dar. Nun ist es Bitschi selbst, der knapp ein Jahr später bröckelt.

Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.

Mehr zum Thema