Faschisten marschieren auch heuer wieder in Bleiburg auf

18.05.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Veteranen in Bleiburg: Die „Schwarzen Mambas“ waren eine kroatische paramilitärische Einheit, der im Jugoslawienkrieg Verbrechen vorgeworfen wird, etwa bei der Eroberung der Krajina im August 1995. AP

Das jährliche Kroatentreffen in der Kärntner Grenzstadt gilt als Stelldichein von Ewiggestrigen.

Heidi Rinke-Jarosch

BLEIBURG Auch heuer dürfen Faschisten wieder in Bleiburg aufmarschieren –  trotz des Widerstands von Bürgern, Politikern und nun auch von der Katholischen Kirche. Tausende Kroaten werden heute in der Kärtner Grenzstadt erwartet, um wie jedes Jahr im Mai auf dem Loibacher Feld der Ermordung Tausender Ustascha-Soldaten nach der Kapitulation der Nationalsozialisten 1945 zu gedenken. Rund 40.000 geflüchtete Soldaten, die an der Seite des Deutschen Reichs gekämpft hatten, wurden damals in Bleiburg samt Familienangehörigen von der britischen Besatzungsmacht an die kommunistischen Einheiten Titos ausgeliefert. Tausende kamen auf dem Rückmarsch nach Jugoslawien gewaltsam ums Leben, Tausende wurden in Jugoslawien hingerichtet.

Ante Pavelic verehrt

Die Gedenkfeier in Bleiburg gilt seit Jahren auch als Treffpunkt von kroatischen Ewiggestrigen sowie Nazis aus anderen europäischen Ländern, die den einstigen faschistischen Vasallenstaat Hitler-Deutschlands – den Unabhängigen Staat Kroatien – verklären und dessen Führer Ante Pavelić verehren. Pavelić hatte 1941 mit Unterstützung der Ustascha-Miliz aus Kroatien eine Diktatur gemacht, die Regime-Gegner verfolgte, Konzentrationslager einrichtete und einen Genozid an Hunderttausenden Serben sowie Zehntausenden Juden und Roma verübte. Allein im Todeslager in Jasenovac wurden mindestens 80.000 Menschen ermordet. Das größte der 24 KZ im Unabhängigen Staat Kroatien wird von Holocaust-Experten wegen der dort praktizierten Folter- und Tötungsarten „schrecklicher als Auschwitz“ beschrieben.

Pavelić flüchtete nach Kriegsende mit Hilfe des Vatikans nach Argentinien, Paraguay und zuletzt nach Spanien. Dort starb er 1959 friedlich. Für seine Kriegsverbrechen wurde er nie zur Rechenschaft gezogen.

Eine Art Auferstehung feierte Ante Pavelić 1991, als der Jugoslawien-Krieg ausbrach. In Kroatien entstanden paramilitärische Organisationen, die sich zur neuen Ustascha-Bewegung bekannten und gegen die Jugoslawische Armee sowie serbische Paramilitärs kämpften. 1993, im bosnischen „Krieg im Krieg“, gingen die Ustascha-Truppen gegen die bosnischen Muslime vor.

Verletzungen des Verbotsgesetzes

Beim Kroatentreffen in Bleiburg sind politische Fahnen und Transparente sowie einschlägige Abzeichen, Symbole und Uniformen untersagt. Trotzdem kam es in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Verletzungen des Verbotsgesetzes. 2018 gab es sieben Festnahmen und neun Anzeigen. Sechs Teilnehmer wurden vor Gericht gestellt, fünf davon verurteilt.

Diözese verbietet Messe

Die Diözese Gurk-Klagenfurt hat heuer erstmals dem kroatischen Bischof die Erlaubnis zur Messfeier am Loibacher Feld entzogen. Als Grund nannte der Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger, die Veranstaltung werde „politisch instrumentalisiert“ und schade dem Ansehen der katholischen Kirche. Dadurch sei das Treffen keine kirchliche Veranstaltung mehr, sondern eine politische.

Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) wurde von der Opposition aufgefordert, die als „größtes Faschistentreffen Europas“ bezeichente Veranstaltung per Weisung zu untersagen. Er lehnte ab.