Land gibt grünes Licht für das Anknabbern der Grünzone

Politik / 22.05.2019 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Die Regierung ist damit den Empfehlungen des Raumplanungsbeirats gefolgt“, sagt Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (VP) als zuständiger Landesrat. VN

Die Landesregierung bewilligt zwei Flächenherausnahmen aus der Grünzone für Betriebserweiterungen für Alpla in Fußach und Hydro Extrusion in Nenzing.

Bregenz Die Vorarlberger Landesregierung hat in ihrer jüngsten Sitzung zwei Herausnahmen von Flächen aus der Grünzone für konkrete Erweiterungsvorhaben von Unternehmen an bestehenden Standorten in Fußach (Alpla) und Nenzing (Hydro Extrusion) bewilligt, informiert Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (VP). Während die Abstimmung für Hydro in der schwarz-grünen Landesregierung einstimmig ausfiel, wurde die Herausnahme für Alpla gegen das Votum der Landesräte Katharina Wiesflecker und Johannes Rauch (Grüne) mehrheitlich beschlossen. „Beiden Vorhaben sind umfassende und sorgfältige Prüfungen vorausgegangen. Entsprechend den rechtlichen Vorgaben wurden verschiedenste Sachverständige konsultiert und das öffentliche Auflageverfahren durchgeführt“, erläutert der Landesstatthalter.

Fußach will im Gegenzug Schutzgebiet aufwerten

In Fußach geht es um eine Herausnahme von rund 3,8 Hektar aus der Landesgrünzone sowie aus der Blauzone. Aufgrund der Größe der Fläche und um die möglichen Umweltauswirkungen abzuklären, wurden eine strategische Umweltprüfung durchgeführt und ein Umweltbericht erstellt. Als Ausgleich für den landschaftlichen Eingriff hat die Gemeinde Fußach eine qualitative Kompensation zugesichert, indem Flächenbereiche der Lehmgrubenseen durch die Verordnung eines örtlichen Schutzgebiets aufgewertet werden sollen. Eine quantitative Kompensation ist in Fußach kaum möglich, denn die überdurchschnittlich großen Grünzonenflächen in Fußach grenzen an vielen Seiten bereits unmittelbar an den bestehenden Siedlungsraum.

Insgesamt 4,69 Hektar Grünzone

Die Firma Alpla mit Unternehmenszentrale in Hard hat sich als heimischer Leitbetrieb zu einem weltweit präsenten Flaggschiff der Vorarlberger Wirtschaft entwickelt. Das Unternehmen unterhält 178 Niederlassungen in 46 Ländern. „Ein Ausbau des Alpla-Produktionswerks in Fußach ist notwendig, um die Verankerung des Unternehmens am heimatlichen Standort, aber auch seine internationale Konkurrenzfähigkeit zu festigen“, erläutert Rüdisser. In Nenzing sollen für das Erweiterungsvorhaben der Firma Hydro Extrusion ca. 8900 Quadratmeter oder 0,89 Hektar aus der Grünzone herausgenommen werden. Dafür schlägt die Gemeinde zur Kompensation die Einbeziehung anderer Grundstücke vor, die zusammen eine Fläche von über 9700 Quadratmetern haben. Die Herausnahme aus der Landesgrünzone kann damit kompensiert werden. Der Raumplanungsbeirat, der die Landesregierung in raumplanerischen Belangen berät, hat sich vor wenigen Tagen mit den beiden Vorhaben befasst und die Herausnahmen diskutiert. Vor dem Hintergrund, dass es sich in beiden Fällen um Erweiterungen von Betrieben an bestehenden Standorten im unmittelbaren Anschluss an die Grünzone handelt, wurden die Herausnahmen von den Mitgliedern des Raumplanungsbeirats in den abschließenden Abstimmungen mehrheitlich befürwortet.