Unverhoffte Chance für die Grünen

Politik / 22.05.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Wir bekommen von vielen Menschen positive Rückmeldungen", sagt Tomaselli. VN
„Wir bekommen von vielen Menschen positive Rückmeldungen“, sagt Tomaselli. VN

Die Partei lässt sich aber noch nicht in die Karten schauen, wer Spitzenkandidat werden könnte.

bregenz Das hätten sich die Grünen wohl nicht gedacht. Nicht einmal zwei Jahre, nachdem sie aus dem Nationalrat geflogen sind, erhalten sie mit der Neuwahl im Herbst die Möglichkeit eines Comebacks. „Ich bin optimistisch, dass wir diese Chance nutzen können“, sagt die Vorarlberger Landtagsabgeordnete Nina Tomaselli. Die Feldkircherin ist Mitglied des Bundesvorstands der Grünen und eine Stellvertreterin von Parteichef Werner Kogler. Als Mitbegründerin des „Next Generation Lab“ beschäftigt sich die 34-Jährige intensiv mit dem Neustart ihrer Partei. „Wir bekommen von vielen Menschen positive Rückmeldungen“, zeigt sich Tomaselli über die gute Ausgangslage für die Grünen überzeugt.

Fokus auf EU-Wahl

Personell ist aber noch einiges unklar. Kogler zieht als Spitzenkandidat in die EU-Wahl. Sein zukünftiger Arbeitsplatz dürfte daher im Europäischen Parlament sein. Es bleibt offen, wer die Partei als Spitzenkandidat in die vorgezogene Nationalratswahl im Herbst führen wird. An Spekulationen, wer sich dafür eignen könnte, will sich Tomaselli nicht beteiligen. Auch die Frage, ob sie als grüne Zukunftshoffnung vielleicht auch selbst für neue Funktionen in Frage komme, bleibt unbeantwortet. Der Fokus liege derzeit ganz auf dem EU-Wahl-Sonntag, sagt die Vorarlberger Abgeordnete. „Es geht jetzt vor allem darum, die EU-Wahl zur Klimawahl zu machen und Europa vor den Rechten zu retten. Alles andere ist zweitrangig, darüber diskutieren wir derzeit nicht.“ Tomaselli verweist darauf, dass in der kommenden Woche die Bundesgremien tagen. Wann eine Entscheidung über die Spitzenkandidatur fällt, kann sie aber nicht sagen.

Wir haben zum Glück mehrere Leute, die in der Lage sind, an der Spitze zu stehen.

Harald Walser, früherer Nationalratsabgeordneter

Auch Altnationalrat Harald Walser tut sich derzeit schwer mit einer Gesamtbeurteilung der Situation. Wie Tomaselli gibt sich der 66-Jährige aber optimistisch, was die Ausgangslage für die Grünen angeht. „Derzeit ist vieles im Fluss. Wir haben zum Glück mehrere Leute, die in der Lage sind, in diesem Wahlkampf an der Spitze zu stehen.“ Namen möchte er aber keine nennen. Häufig genannt wurde zuletzt der oberösterreichische Integrationslandesrat Rudolf Anschober, der sich mit seiner Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ für Lehrlinge mit negativem Asylbescheid stark gemacht hat. „Natürlich gehört Rudi dazu. Er hat Erfahrung, ist sehr verlässlich und hat zuletzt gezeigt, dass er über die Parteigrenzen hinaus erfolgreiche Bündnisse schließen kann“, sagt Walser. Und was hält der frühere Nationalratsabgeordnete von Parteichef Kogler? „Werner macht einen Superjob im seit geraumer Zeit laufenden EU-Wahlkampf. Somit ist er dort verpflichtet. Aber ich möchte jetzt wirklich nicht auf weitere Namen eingehen. Wir werden die Spitzenkandidatur relativ schnell intern diskutieren und bekannt geben.“

Magdalena Raos, Tony Walser