Julia Ortner

Kommentar

Julia Ortner

Die ÖVP kann sich bestätigt fühlen

Politik / 27.05.2019 • 07:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Hauptsache, Sebastian Kurz. Und diejenigen, die aus der staatsmännischen Rolle fallen, das sind immer die anderen. Auch wenn man diese anderen selbst in die Regierung geholt hat, wie Kurz 2017 die FPÖ. Nach dem Ibiza-Video mitten im EU-Wahlkampffinale ist es zwar mit Türkis-Blau vorbei, der Kanzler muss von seinem üblichen Kontroll-Modus abweichen und sich in der Regierungskrise beweisen – bei den EU-Wahlen ist ihm das allerdings mit einem klaren Sieg und deutlichen Zugewinnen gelungen. Die ÖVP kann sich bestätigt fühlen, die SPÖ bleibt trotz Ibiza mit leichten Verlusten auf Platz 2 hinter ihr. Statt Klarheit gibt es bei den Sozialdemokraten ja Richtungsdebatten, die wieder auf die Frage hinauslaufen: Wer bitteschön ist hier der Boss, Parteichefin Pamela Rendi-Wagner oder Burgenlands Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil? Das EU-Doppelspiel der ÖVP, die mit Othmar Karas und Karoline Edtstadler alles von liberal bis Law and order abdecken wollte, war unterm Strich wohl nicht so entscheidend wie die Rolle, die sich Kurz verpasst hat. Nach dem Schockmoment Ibiza agiert die türkise Truppe geschlossen und stringent – Kurz präsentiert sich gemeinsam mit dem Bundespräsidenten als staatstragende Einheit. Als einziger Hüter der “Stabilität“, auch weil manche Medien und die Konkurrenz es ihm nicht schwer machen. Kurz bleibt unverdrossen im Kanzlermodus – und wird sich auch nach einer wahrscheinlichen Ablöse durch einen Misstrauensantrag nur ein wenig adaptieren: Als „Kanzler der Herzen“, den die anderen brutal „gestürzt“ haben.