Talent-Züge werden noch länger nicht durchs Land rollen

Politik / 28.05.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neue und hochmoderne Talent3-Garnituren der Marke Bombardier lassen in Vorarlberg wohl noch länger auf sich warten.

Zügeproduzent Bombardier kann Lieferfrist Anfang Juli nicht halten und muss dafür Pönale zahlen. Im Landhaus wird die Verspätung der Lieferung sehr bedauert.

Bregenz Eigentlich waren die 21 Züge im wahrsten Sinne des Wortes längst auf Schiene und der Fahrplan für die Anlieferung stand fest. Darüber hinaus galt die Aufrüstung des Vorarlberger Schienennetzes mit hochmodernen Zügen als ganzer Stolz der Landesregierung. Vor allem Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (Grüne) hatte sich lange für die Beschaffung mächtig ins Zeug geworfen.

Jetzt ist alles anders. Die mehrfach fix versprochene und zeitgerechte Auslieferung von 21 Talent3-Garnituren vor dem Startschuss der Großsportveranstaltung Gymnaestrada am 7. Juli fällt ins Wasser. Das Unternehmen Bombardier, das die barrierefreien, komfortablen und mit WLAN ausgestatteten Züge produziert, kann die Bestellung nicht wie vertraglich vereinbart bereitstellen.

140 Millionen Euro für 21 Züge

Die Anschaffungskosten für die 21 Züge werden mit rund 140 Millionen Euro beziffert. „Die Tests zur Zulassung der neuen Talent3-Garnituren sind im Gang und nehmen mehr Zeit in Anspruch als geplant“, bestätigt Christian Diewald als Geschäftsführer von Bombardier die Verspätung der Auslieferung im Gespräch mit den VN. Man arbeite mit Hochdruck daran, offene Punkte umzusetzen und die nötigen Gutachten für die Zulassung der Züge zu bekommen.

Er gehe davon aus, dass die Lieferung der Garnituren im zweiten Halbjahr 2019 erfolgen kann, eine definitive Zusage konnte Diewald allerdings nicht geben. „Für den Fall der Fälle“ seien Lieferverzögerungen, wie sie nun eingetreten sind, zwar im Kaufvertrag geregelt, sagt Diewald. Konsequenzen habe freilich das Unternehmen Bombardier als Produzent und Lieferant zu tragen.

Jetzt sind Pönalzahlungen fällig

„Wir haben bereits Pönalzahlungen zu leisten, das ist ebenso vertraglich geregelt“, erklärt Diewald. Über die Höhe wollte er keine Angaben machen und versichert gleichzeitig: „Es wird keinem Partner ein Schaden entstehen.“ Probleme hatte der kanadische Produzent von Zügen übrigens zuletzt auch mit neuen Doppelstockzügen in der benachbarten Schweiz. Für Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (VP) und Regierungskollege Johannes Rauch ist die Verzögerung sehr bedauerlich. Wichtig sei, so der Tenor, dass der öffentliche Verkehr zur Gymnaestrada die gewohnt hohe Qualität aufweise und die internationale Sportveranstaltung reibungslos und ohne Mehrkosten für das Land abgewickelt werden könne. Dafür setzen die Bundesbahnen vieles in Bewegung: Sechs zusätzliche Züge des Typs Cityjet Talent1 werden für die Zeit der Gymnaestrada durch das Land rollen.

20.000 Sportler aus 60 Nationen

Zu dem Großereignis zwischen dem 7. und 13. Juli werden bis zu 20.000 Sportler aus 60 Nationen erwartet. „Insgesamt stehen während dieser Zeit deutlich mehr Kapazitäten zur Verfügung. So gelangen alle Fahrgäste sicher und verlässlich zur Veranstaltung“, betont Gerhard Mayer als ÖBB-Regionalmanager. „Wir bedauern, dass der Zug nicht wie geplant eingesetzt werden kann. Die Einführung eines neuen Zuges ist generell eine komplexe Angelegenheit. Alle Partner arbeiten mit Hochdruck an der Einführung des Cityjet Talent3 für Vorarlberg, eines der modernsten Nahverkehrsfahrzeuge, die es gibt“, ergänzt Christoph Gasser-Mair als Pressesprecher der ÖBB.

„Wir haben die Konsequenzen zu tragen und müssen bereits Pönalzahlungen leisten.“

Christian Diewald, Geschäftsführer Bombardier