Der EU-Abwracker kommt

02.06.2019 • 20:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Europäische Staats- und Regierungschefs haben am 5. Juni Gelegenheit, dem umtriebigen EU-Abwracker Donald Trump die Hand zu schütteln und ihm zuzujubeln. Denn der amerikanische Präsident kommt zum Staatsbesuch und zum Feiern des Beginns der letzten Schlacht zur Befreiung Europas vom Nazi-Joch vor 75 Jahren in das zurzeit noch Vereinigte Königreich.

Wohl oder übel mitmachen müssen dabei neben der britischen Bald-nicht-mehr-Premierministerin Staatsrepräsentanten aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Dänemark, Norwegen, Griechenland sowie Polen, aber auch der Kriegsteilnehmerstaaten Kanada, Australien und Neuseeland, und natürlich auch aus Deutschland. Ob eine mit drängenden Problemen beschäftigte österreichische Übergangskanzlerin dabei ist oder nicht, spielt letztlich keine Rolle.

Die Begeisterung der zum diplomatisch geziemenden Trump-Bejubeln bei einer großen Heerschau im Hafen von Portsmouth, der Sammelstelle der Invasionsstreitkräfte für den D-Day abgeordneten Staats- und Regierungshäupter wird sich in Grenzen halten. Nicht weil das damals eingeläutete Ende einer Schreckensherrschaft kein Grund zum Feiern wäre. Sondern weil der Gast aus den USA kein Friedensengel, sondern ein ausgemachter Unruhestifter ist. Einer, der wider alle Vernunft von amerikanischen Militäroperationen – sprich Kriegen – gegen den Iran, Nordkorea, Venezuela und verklausuliert auch gegen China fabuliert.

Und ein Spalter, der pazifische Freunde der USA, Australien und Neuseeland mit einem Handelskrieg in die Knie zwingen will, und der den europäische EU-Verein nach dem Prinzip „Herrsche und teile“ auf dem Müllhaufen der Geschichte endlagern will. Schon bei der Ankündigung seiner ihn auch nach Frankreich führenden Triumph-Tour hatte der selbsternannte Welten-Ordner die Verstärkung der besonderen Beziehungen zwischen Washington und London als Hauptgrund seiner Tour bezeichnet.

Gemeint ist damit Trumps „Achse der Guten“ zwischen den USA und Großbritannien. Jenem europäischen Inselstaat, der von einer ahnungslosen britischen Premierministerin aus der EU herausgetrümmert wird – oder auch nicht. Aus einer EU, die Trump und seine ministeriellen Hiwis als Versammlung von Feindstaaten behandeln.

Und die europäischen „Feindstaaten-Vertreter“ werden bei alledem gute Miene zum miesen Spiel machen. Und dabei wissen alle: Die Millionen Toten des Unrechtsregimes des „Dritten Reiches“ sowie die bei dessen Überwindung gefallenen Soldaten aus vieler Herren Länder und auch die Überlebenden und die nachfolgenden Generationen der Befreiten haben etwas Besseres verdient als eine unangemessene Trump-Charade.

„Und die europäischen ,Feindstaaten-Vertreter‘ werden bei alledem gute Miene zum miesen Spiel machen.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at