Große Unzufriedenheit innerhalb der Islamischen Republik

Politik / 05.06.2019 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Khamenei erinnert an den 30-jährigen Todestag Khomeinis. reuters
Khamenei erinnert an den 30-jährigen Todestag Khomeinis. reuters

Innere Auflösung und anti-israelische Ablenkungsmanöver.

teheran Am Donnerstag gedenkt die Islamische Republik Iran der Beerdigung ihres Gründers Ayatollah Ruhollah Khomeini vor 30 Jahren. Seitdem wurde in Teheran alles getan, um seinen Traum von politischer Herrschaft der schiitischen Religionsgelehrten, dem Aufstieg Irans zur regionalen Großmacht zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean sowie einer islamistischen Weltrevolution voranzutreiben. Doch lässt sich das korangerechte Regierungssystem inzwischen nur mehr mit Gewalt aufrechterhalten, die iranische Expansion wurde im Irak, Libanon, Syrien und dem Jemen gestoppt, und die Islamische Revolution ist längst kein Exportschlager mehr. Der US-Außenpolitik ist es gelungen, Teheran von der arabischen und in der islamischen Welt zu isolieren. Nur mehr Damaskus und Ankara stehen auf seiner Seite.

Innerhalb der Islamischen Republik wird die Unzufriedenheit mit dem System vor allem in der gebildeten Jugend größer. Damit wächst die Sorge der regierenden schiitischen Klerisei, die Abwendung von der politislamischen Herrschaft könne auch zur Abkehr von der Schia als Religion führen. Bereits eine halbe Million Intellektuelle sollen schon den Islam aufgegeben haben, ungläubig geworden oder unter christlichen Einfluss geraten sein. Noch mehr junge Muslime sehen für sich in der Heimat keine Perspektive und wandern aus. Die schwierige wirtschaftliche Lage Irans befördert zusätzlich Unzufriedenheit und Emigration. Sogar von Seiten der Geistlichkeit wird daher wieder für eine – schrittweise – Trennung von Staat und Islam plädiert. Dann wäre die Vision Khomeinis vom islamischen Gottesstaat Iran endgültig ausgeträumt.

Sein Nachfolger Ali Khamenei spielte daher am Mittwoch Teherans letzte Karte als einzig verbliebener Anwalt palästinensischer Unabhängigkeit in einem eigenen Staat aus. Alle anderen hätten die islamischen Heiligtümer Jerusalems und das arabische Volk Palästinas verraten. An ihrer Spitze Irans erklärte Feinde am Golf, Saudi-Arabien, die Arabischen Emirate und Oman. Sie haben sich schon offen oder insgeheim mit Israel abgesprochen, die Palästinenser fallen zu lassen. Der „Große Verrat der Islamischen Welt“ solle schon am 25./26. Juni bei einem Wirtschaftstreffen auf Bahrain reich belohnt werden, wo auch die 5. US-Flotte stationiert ist. Der neuerliche Atomstreit mit Teheran sei von Präsident Donald Trump nur losgetreten worden, um Iran als letzte, einsame Gegenkraft zu Amerikas Liebkind Israel zu schwächen.