Elf Tories wollen May ersetzen

10.06.2019 • 20:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Theresa May ist bald weg, sowohl als Parteichefin als auch als Regierungschefin. Um ihre Ämter wird jetzt hart gekämpft. afp
Theresa May ist bald weg, sowohl als Parteichefin als auch als Regierungschefin. Um ihre Ämter wird jetzt hart gekämpft. afp

Die konservativen Abgeordneten haben ihre Kandidatur angekündigt. Johnson gilt weiter als Favorit.

london Die britische Premierministerin Theresa May hatte im Zuge des Brexit-Streits am Freitag ihr Amt als Parteichefin aufgegeben. Ihr war es nicht gelungen, das Parlament oder auch nur ihre eigene Partei auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen. Am Montag hat die Suche nach einem Nachfolger für May offiziell begonnen. Ein knappes Dutzend Politiker der regierenden Konservativen bewirbt sich um den Posten als Chef der Partei und damit auch um das Amt des Premierministers. Jeder Kandidat braucht die Unterstützung von mindestens acht Abgeordneten. Diese Tory-Politiker bewerben sich:

 

Boris Johnson, 54: Der Brexit-Hardliner und frühere Außenminister gilt als Favorit. Er ist zwar als Chefdiplomat in viele Fettnäpfchen getreten. Ihm wird aber zugetraut, enttäuschte Brexit-Wähler, die sich von den Konservativen abgewendet haben, zurückzugewinnen.

Michael Gove, 51: Dem Umweltminister wurden gute Chancen eingeräumt. Am Wochenende gab er indes in Interviews zu, Kokain genommen zu haben, vor mehr als 20 Jahren. Er bedauere dies sehr und gehe davon aus, dass ihn das nicht für die Bewerbung disqualifiziere. Sollte er Mays Nachfolger werden, wolle er die Mehrwertsteuer durch ein einfacheres System ersetzen.

Jeremy Hunt, 52: Der Außenminister hat eine Wandlung vom EU-Befürworter zum Brexit-Anhänger durchgemacht. Viele glauben, dass er sich damit schon in Position bringen wollte für die May-Nachfolge. Als Außenminister gelang es ihm, die europäischen Verbündeten mit provokativen Stellungnahmen gegen sich aufzubringen. Er verglich etwa die EU mit der Sowjetunion.

Rory Stewart, 46: Seine Fans halten ihn für äußerst kompetent, doch er bleibt nach Einschätzung britischer Medien ein Außenseiter: Der Entwicklungshilfeminister, der leichte Ähnlichkeit mit Rocksänger Mick Jagger in jungen Jahren hat, ist eigentlich ein EU-Anhänger. Er akzeptiert jedoch das Ergebnis des Brexit-Referendums.

Sajid Javid, 48: Der Innenminister wechselte nach dem Referendum auf die Seite der Brexit-Befürworter. Als Sohn eines pakistanisch-stämmigen Busfahrers verkörpert er den Traum vom sozialen Aufstieg in einer stark durch Klassendenken geprägten Gesellschaft. Erfahrungen in der Finanzwelt sammelte er in der Managementebene der Deutschen Bank.

Dominic Raab, 45: Der Jurist gilt als Brexit-Hardliner und hatte schon mehrere Posten in der Regierung. Sein Amt als Brexit-Minister gab er nach nur wenigen Monaten aus Protest gegen den Vertragsentwurf zum EU-Austritt auf.

Andrea Leadsom, 56: Nach dem Brexit-Referendum und dem Rücktritt von David Cameron 2016 war Andrea Leadsom neben May in die engere Auswahl als Parteichefin gekommen. Sie musste sich aber wegen einer unglücklichen Äußerung zurückziehen. Später wurde die Brexit-Hardlinerin von May als Ministerin für Parlamentsfragen ins Kabinett geholt.

Matt Hancock, 40: Gesundheitsminister Matt Hancock lehnt eine Loslösung von der EU ohne Deal ab. Ihm werden im Rennen um die Nachfolge von May allerdings wenig Chancen eingeräumt.

Sam Gyimah, 42: Der frühere Hochschul-Staatssekretär setzt sich für ein zweites Brexit-Referendum ein. Er gilt als chancenlos.

Esther McVey, 51: Aus Protest gegen Mays Kurs beim EU-Austritt legte die Arbeitsministerin ihr Amt nieder. Die Brexit-Anhängerin besteht darauf, dass Großbritannien am 31. Oktober die EU verlässt – auch mit einem ungeregelten Austritt.

Mark Harper, 49: Obwohl er ein EU-Freund ist, akzeptiert Mark Harper das Brexit-Referendum. Er selbst sieht sich im Rennen um Mays Nachfolge als Außenseiter. Harper wäre für eine kurze Verlängerung der Austrittsfrist über den 31. Oktober hinaus. Er würde aber auch einem harten Brexit zustimmen.