Neuer Machthaber, neue Unterdrückung

10.06.2019 • 20:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mohammed Dagalo ließ ich von Saudi-Kronprinz Bin Salman beraten. reuters
Mohammed Dagalo ließ ich von Saudi-Kronprinz Bin Salman beraten. reuters

Mohammed Dagalo brachte es vom Kamelhändler zum General.

khartum In Sudan häufen sich Anzeichen, dass die schon zwei Monate herrschende Militärjunta nicht gewillt ist, ihre Macht an eine Zivilregierung abzugeben oder auch nur mit ihr zu teilen. Nachdem Langzeit-Diktator Omar al-Baschir am 11. April von den eigenen Offizierskameraden gestürzt wurde, breitete sich zunächst Hoffnung auf eine Demokratisierung aus. Die forderten Massen von Demonstranten mit einem wochenlangen Sitzstreik vor dem Hauptquartier der Armee. Das neue Regime nahm Verhandlungen auf, zog diese aber in die Länge. Letzte Woche griffen plötzlich Sonderkommandos das Protestlager an und lösten es gewaltsam auf. Dabei gab es laut sudanesischer Ärztekammer über 100 Tote und viele Hundert Verwundete. Die Machthaber stellen diese Zahlen in Abrede. Was schwer zu überprüfen ist, da nach Augenzeugen zahlreiche Leichen und auch Schwerverletzte einfach in den Nil geworfen wurden. Ein Vermittlungsversuch des äthiopischen Regierungschefs Abiy Ahmad in Khartum hat die Junta kalt gelassen: Nach dessen Abreise wurden einige seiner oppositionellen Gesprächspartner verhaftet.

Die Demokratie-Bewegung DFCF hat darauf mit einem Generalstreik und seit Anfang dieser Woche mit allgemeinem zivilen Ungehorsam geantwortet. Der legt die Hauptstadt samt Nachbarmetropole Omdurman lahm. Doch auch diesen passiven Widerstand bricht das Regime mit Gewalt. Am Montag hat es jedenfalls wieder Tote und Verwundete gegeben. Vor allem an Straßensperren, wo Gewerkschafter versuchen Streikbrecher abzufangen. Dagegen werden – wie schon bei Räumung der Demonstranten-Zeltstadt – keine regulären Truppen, sondern Sondereinheiten der „Raschen Eingreiftruppe“ (RSF) aufgeboten. Diese hatte noch Baschir zur Niederwerfung des Widerstands im westlichen Darfur aufgestellt. Es handelte sich dabei um Kamelreiter. Seit ihrer Verlegung nach Khartum haben sie auf wendige Kleinlaster mit aufgebautem Maschinengewehr umgesattelt. Ihre rüde Brutalität ist aber dieselbe geblieben.

Vertreter der Saudi-Interessen

Beobachter vor Ort bringen den Kurswechsel der Militärs mit einer Machtverschiebung in der Offziersjunta in Verbindung. Dort habe neuerdings ihr Vize-Vorsitzender Mohammed Hamdan Dagalo das Sagen. Der anfängliche Kamelhändler hatte seine Karriere mit Lieferung von Reittieren für die RSF begonnen und es bis zum Generalleutnant gebracht. Im Militärrat vertritt er die Interessen der Saudis. Er garantiert ihnen die weitere Entsendung sudanesischer Truppen nach Jemen, wo Riad gegen die Huthi-Patrioten Krieg führt. Die Niederschlagung der Demokratiebewegung im Sudan habe ihm Saudi-Kronprinz Mohammed Bin Salman bei einem Geheimtreffen im Mai angeraten.