Maturadebakel in Deutsch für BHS-Schüler

11.06.2019 • 18:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Die Zentralmatura ist ein Mammutprojekt, das über viele Jahre feinjustiert werden muss“, sagt Bildungsministerin Iris Rauskala.

Ergebnisse der Reifeprüfung liegen vor. Fünf Prozent scheiterten in Mathe.

Wien Deutsche Sprache, schwere Sprache: Das gilt heuer vor allem für die Vorarlberger Schüler an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS). 11,2 Prozent der BHS-Maturanten absolvierten ihre schriftliche Klausur mit einem Nicht Genügend. Dieser Wert liegt deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt, der 5,5 Prozent beträgt. 

Auf eine negative schriftliche Reifeprüfung folgt in der Regel eine mündliche, bei der die Schüler ihre schlechte Note ausbessern können. Österreichweit erhielten am Ende 0,8 Prozent der BHS-Schüler eine negative Note in Deutsch. In Vorarlberg waren es 1,8 Prozent. Die Maturanten im Land sind damit Schlusslicht. Anders in Englisch: Da schaffen es die BHS-Schüler in der Statistik mit 4,2 Prozent auf den vorletzten Platz, wobei sie sich im Vergleich zur schriftlichen Matura mit einem Fünferanteil von 12,6 Prozent deutlich verbessern konnten.

Durchwachsene AHS-Bilanz

Durchwachsen sieht die Sprachenbilanz auch bei den Gymnasiasten (AHS) aus. Hier liegen die Vorarlberger Schüler in Deutsch ebenso schlechter als der durchschnittliche österreichische Maturant. Auf die schriftliche Matura erhielten 5,9 Prozent einen Fleck, nach der Kompensationsprüfung hatten immer noch 1,6 Prozent eine negative Note. In Englisch schneiden die AHS-Schüler mit acht Prozent und später 1,5 Prozent Nicht Genügend etwas besser ab. Bei den Einsern bleiben die Vorarlberger Maturanten aber auf dem letzten Platz.

Problem Dialekt?

Leonie Feurstein (17), Vorarlberger Landesschulsprecherin für die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen hat auf VN-Anfrage eine Erklärung für das Abschneiden in Deutsch. Sie führt das unter anderem auf den Vorarlberger Dialekt zurück: „Er unterscheidet sich in Wort und Schrift im Vergleich zu anderen österreichischen Dialekten doch am deutlichsten von Hochdeutsch. Gleichzeitig haben viele junge Leute ihren Dialekt zur Digitalsprache bei SMS- und WhatsApp-Nachrichten gemacht. Das könnte auch eine Ursache sein.“ Feuerstein plädiert wegen solcher Maturaresultate für eine modulare Oberstufe. „Da kann dann jeder Schüler Schwerpunkte wählen und den Hebel dort ansetzen, wo es notwendig ist.“


„Der Vorarlberger Dialekt unterscheidet sich am deutlichsten von Hochdeutsch.“

Leonie Feurstein,
Vorarlberger Landesschulsprecherin

Andreas Kappaurer (58), pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion, möchte die schlechten Deutsch-Ergebnisse an den BHS noch genauer analysieren: „Und zwar Schule für Schule, Klasse für Klasse. Wir wissen ja, dass wir speziell bei den HAK und HTL Sorgenkinder haben. Leider ist der Abstand zu den anderen Bundesländern noch einmal größer geworden. Ich möchte aber auch positiv herausstreichen, dass sich bei den Kompensationsprüfungen viele Schüler verbessern konnten.“ 

Aufschwung in Mathe

So war es auch in Mathe. Statt 10,8 Prozent der AHS-Maturanten hatten am Ende noch 4,1 Prozent einen Fünfer. In den BHS verbesserten sich die Vorarlberger Schüler von 13,7 Prozent Nicht Genügend auf 4,6 Prozent. In beiden Fällen liegen die Maturanten besser als der österreichweite Durchschnitt. Laut Freddy Wittwer, AHS-Koordinator der Mathematikzentralmatura, ist das zum ersten Mal so.

Die Mathe-Noten sind generell besser geworden, erklärt Bildungsministerin Iris Rauskala (41). Sie trat am Dienstag erstmals in dieser Funktion an die Öffentlichkeit. Ihrem Vorgänger Heinz Faßmann sowie Heinz Scholz vom Forum Zentralmatura sei eine erste Wendung in der Mathe-Matura geglückt. Im Vorjahr waren an den AHS rund 22 Prozent an den schriftlichen Mathematikklausuren gescheitert, an den BHS waren es 19 Prozent. Rauskala bezeichnet die Zentralmatura als Mammutprojekt. Ergebnisse könnten sich nicht vom einen zum anderen Jahr sensationell verbessern. Es müsse über viele Jahre feinjustiert und verbessert werden. So ist den Schülern heuer in Mathe etwa ein wenig Zeitdruck genommen worden, halbe Punkte waren erlaubt und Aufgaben leichter formuliert. „Jetzt ist zu hoffen, dass sich der positive Trend auch in Zukunft fortsetzen wird“, meint die Bildungsministerin.

Birgit Entner-Gerhold

Klaus Hämmerle