Krise am Golf verschärft sich

14.06.2019 • 20:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Iran weist zurück, für die Angriffe verantwortlich zu sein. Reuters/Isna
Der Iran weist zurück, für die Angriffe verantwortlich zu sein. Reuters/Isna

US-Präsident Trump beschuldigt Iran direkt, hinter Angriffen auf Öltanker zu stehen.

washington, teheran Die jüngsten Angriffe auf zwei Tankschiffe schüren Sorgen um den Frieden in der Golf-Region und die weltweite Energieversorgung. Die USA beschuldigten den Iran, hinter den Vorfällen im Golf von Oman zu stecken, und schickten einen weiteren Zerstörer in das Gebiet. Der Iran wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die USA gefährdeten die Stabilität im Nahen Osten.

Deutliche Worte des Präsidenten

In einem telefonischen Interview des Senders Fox News ließ US-Präsident Donald Trump keine Zweifel offen, dass er Teheran hinter den Angriffen vermutet. „Nun ja, der Iran hat es getan, und sie haben es, wissen Sie, getan, weil man das Schiff gesehen hat“, sagte er mit Blick auf ein Video, das die USA am Vortag zur Verfügung gestellt hatten. Und er fügte hinzu: „Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben.“ Das Video soll die iranische Urheberschaft bestätigen. Es soll zeigen, wie iranische Kräfte eine Magnetmine von einem der Schiffe entfernen. Die Bilder stammen von einem Zeitpunkt nach den Explosionen.

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, seine Regierung gehe aufgrund von Informationen des Geheimdienstes, des Typs der verwendeten Waffen und der ausgeklügelten Ausführung der Taten davon aus, dass der Iran der Drahtzieher sei. Die Europäische Union hielt sich mit Bewertungen zurück. „Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln“, sagte ein ranghoher EU-Beamter. 

Teheran kritisierte das US-Vorgehen indes scharf. Die USA seien eine „schwere Bedrohung für die Stabilität“ in der Region, meinte  Irans Präsident Hassan Rohani. Außenminister Mohammad Javad Zarif deutete eine Provokation seitens Washingtons an. „Mit einem Schnipsel an Indizien haben die USA sofort den Iran beschuldigt.“

Video mit Besatzung

Wie das iranische Außenministerium mitteilte, sehe es Teheran als seine Aufgabe, für die Sicherheit in der für die Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus zu sorgen. Iranische Teams hätten die Besatzungsmitglieder so schnell wie möglich gerettet. Um diese These zu stützen, veröffentlichte der Staatssender Press TV ein Video mit der Besatzung eines attackierten Öltankers. „Alles ist okay“, sagte ein Mann, der sich als Russe und erster Offizier des norwegischen Tankers „Front Altair“ vorstellte. Er dankte dem Iran für seine „Gastfreundschaft“. Neben der „Front Altair“ war am Donnerstag auch die „Kokuka Courageous“ beschädigt worden.

Der Golf von Oman ist über die Straße von Hormuz mit dem Persischen Golf verbunden. Sie ist einer der wichtigsten Wasserwege weltweit und spielt vor allem für Öltransporte aus der Golfregion eine zentrale Rolle. Der Iran hatte wiederholt damit gedroht, diese Passage zu sperren, sollte das Land sein Erdöl wegen US-Sanktionen nicht verkaufen können. Die Spannungen zwischen den USA und Iran hatten sich zuletzt im Streit über das iranische Atomprogramm deutlich verschärft.

„Fliegende Objekte“

Was sich am Donnerstag im Golf von Oman genau zugetragen hat, blieb zunächst aber weiter unklar. Am Freitag erklärte das japanische Unternehmen hinter der „Kokuka Courageous“, das Schiff könne nicht von einem Torpedo getroffen worden sein. Vielmehr hätten zwei „fliegende Objekte“ den Tanker beschädigt, teilte Kokuka Sangyo mit. Die Besatzung sei inzwischen auf das Schiff zurückgebracht worden. Der Tanker werde von der US-Marine in einen Hafen der Vereinigten Arabische Emirate eskortiert.

Der Eigner der „Front Altair“ erklärte, das Feuer auf dem Tanker sei inzwischen gelöscht, das Schiff stabil, und es gebe keine Berichte über Umweltverschmutzungen.

Erst im Mai waren vier Öltanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate attackiert worden. Das mit den Vereinigten Staaten verbündete Saudi-Arabien machte den Iran und von ihm unterstützte Kräfte für die Vorfälle verantwortlich. Der Iran wies das zurück. Saudi-Arabien und der Iran liefern sich in der Golf-Region einen Machtkampf um die regionale Vorherrschaft.

„Nun ja, der Iran hat es getan. (…) Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben.“