Das Spiel mit dem Feuer in der Golf-Region

Politik / 17.06.2019 • 08:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Golf von Oman wurden vergangene Woche Öltanker attackiert. REUTERS

Brände auf Öltankern: Schuldzuweisungen vergiften das ohnehin schon schwache Versöhnungsklima.

Heinz Gstrein

Wien Der erste der beiden angegriffenen Erdölfrachter in der Golf-Region hat am Sonntag in den Arabischen Emiraten angedockt. Dort erst wird eine genaue Untersuchung der hervorgerufenen Schäden und ihrer Verursachung möglich. Jedenfalls macht inzwischen nach Washington und London auch Saudi-Arabien die Iraner für die Attacke verantwortlich.

Folgen für Wirtschaft und Politik

Doch herrscht noch immer Unklarheit bezüglich der wahren Urheber des Angriffs vom vergangenen Donnerstag im Golf von Oman. Die Folgen für Weltwirtschaft und globale Politik liegen jedoch auf der Hand: Da gut ein Drittel aller Erdöltransporte durchs Nadelöhr von Hormuz gehen und sie sich dort so leicht verwundbar gezeigt haben, ist der gesamte Energiemarkt verunsichert.

Auf diplomatischem Gebiet führen die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Washington und Teheran zur abrupten Vergiftung des ohnedies schwachen Versöhnungsklimas, das auch durch das Aussteigen von Präsident Donald Trump aus dem Atomdeal von 2015 mit dem Iran schon angeknackst war.

Nach allem, was bisher bekannt ist, wurden die Tankschiffe von Schnellbooten attackiert. Auf solchen sind im Golf die Marineinfanteristen von Irans Islamischen Revolutionswächtern Pasdaran unterwegs. Diese verfügen über eine eigene Flotte und stellen auch sonst eine Art Staat im Staat dar. Politisch stehen sie dem radikalen Flügel der Ayatollahs nahe, wollen mit dem „Teufel USA“ nicht verhandeln, sondern ihn vernichten.

Die Pasdaran befinden sich daher auf Kollisionskurs zu Irans moderaten Politikern wie Präsident Hassan Rohani und Außenminister Dschawad Zarif, den Baumeistern von Teherans atomarem Ausgleich mit dem Westen. Für die Pasdaran ist schiitische Endzeitideologie wegweisend: Ein globaler Krieg werde den Muslim-Messias Imam al-Mahdi „herabzwingen“ und ewige islamische Weltherrschaft errichten. Außerdem stellen die Religionswächter im Iran eine starke Wirtschaftsmacht dar, die sogar den Petrolsektor beherrscht. Öl-Preiserhöhungen durch einen militärischen Konflikt am Golf wären diesen Eiferern nur willkommen.

Dasselbe gilt aber auch für Saudi-Arabien, das ebenfalls hinter dem Tanker-Zwischenfall stecken könnte. Schon länger bemüht es sich vergeblich, die eingebrochenen Preise durch Produktionsdrosselung wieder in die Höhe zu drücken. Das ist jetzt mit dem Fanal der brennenden Schiffe über Nacht gelungen.

Saudi-Arabien als Nutznießer

Auch sonst sind die Saudis schon in doppelter Hinsicht Nutznießer der neuerlichen Hochspannung zwischen USA und Iran: Sie können sich so wieder sicher sein, dass ihnen die amerikanischen Waffenlieferungen doch nicht wegen der saudischen Kriegsverbrechen im Jemen gestrichen werden. Außerdem kehrte vor der akuten Bedrohung durch die Islamische Republik der lang aufmüpfige Golfstaat Katar in die alte Allianz mit Saudi-Arabien zurück.