Tiroler Fahrverbote erzürnen Bayern

Politik / 21.06.2019 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ab Samstag sollen an Wochenenden Landstraßen für „Navi-Ausweicher“, die Staus auf Autobahnen umfahren wollen, gesperrt werden. APA
Ab Samstag sollen an Wochenenden Landstraßen für „Navi-Ausweicher“, die Staus auf Autobahnen umfahren wollen, gesperrt werden. APA

CSU-Politiker spricht von Schikane, Landeshauptmann beharrt auf Entlastungsmaßnahme.

innsbruck Neue Fahrverbote in Tirol sorgen für massiven Streit zwischen Österreich und Bayern. Auf die Kritik von Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU), der die Verbote als „reine Schikane“ bezeichnet hatte, erklärte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Freitag: „Nur weil unsere Nachbarn bei der Pkw-Maut eine empfindliche Niederlage einstecken mussten, sollen sie jetzt nicht die Beleidigten spielen, sondern mit uns aktiv an der Entlastung der Bevölkerung arbeiten.“

In Tirol sollen ab diesem Samstag an Wochenenden Landstraßen für „Navi-Ausweicher“ gesperrt werden, die so Staus auf den Autobahnen umfahren wollen. Das Verbot gilt für die Ausfahrten zwischen Hall und Zirl auf der Inntalautobahn (A12) sowie bei Patsch und bei Gries am Brenner auf der Brennerautobahn (A13).

Bereits am Donnerstag, dem Feiertag Fronleichnam, galt für den Durchgangsverkehr ein Abfahrverbot von der Autobahn. Künftig ist es bis zum 14. September jeweils von Samstag 7.00 Uhr bis Sonntag 19.00 Uhr in Kraft. Die vom Transitverkehr betroffenen Dörfer auf der Strecke zwischen Deutschland und Italien sollen so entlastet werden. „Wenn die Dörfer vom Ausweichverkehr derart verstopft sind, dass es nicht einmal mehr für die Rettungsdienste ein Durchkommen gibt, dann können und dürfen wir nicht tatenlos zusehen“, betonte Platter.

Der deutsche Autofahrerclub ADAC kritisierte die Tiroler Fahrverbote als „ein Unding ausgerechnet zur Urlaubszeit“. Auch wenn Tirol sehr unter der Belastung durch den Transitverkehr leide, seien die neuen Verbote „aus Sicht der Touristen und Verbraucher eine ganz schöne Kröte, die man schlucken muss“, sagte ein Sprecher. Bayerns Verkehrsminister Reichhart hatte die Verbote am Donnerstag als rechtswidrig bezeichnet.

„Fahrverbote sind nicht das eleganteste Mittel gegen die Verkehrslawine, aber sie lindern die schlimmsten Belastungsspitzen“, erklärte hingegen Platters Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne). „Und sie setzen die Verkehrsplage auf Platz eins der politischen Agenda, auch bei unseren Nachbarn.“