Hinter den Kulissen: Von Drahteseln und Überläufern

28.06.2019 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eröffnung des neu errichteten Abschnitts der Landesradroute durch Politprominenz.

Politik, Personen und Parteien: Die VN beleuchten in ihrer wöchentlichen Rubrik Hintergründe.

Sportlich Bäder in der Menge bei Feierlichkeiten sind in Vorwahlzeiten für Politiker eine gefragte Sache. Dazu zählen auch volksfestähnliche Zeremonien, wenn irgendwo im Land ein Radweg für befahrbar erklärt wird. Mehr als vier Jahre lang hat LH Markus Wallner (51, VP) dieses Feld seinem Koalitionspartner und Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (60, Grüne) überlassen. Wenige Monate vor der Landtagswahl gibt sich Wallner ebenso sportlich wie Rauch und schwingt sich bei Feierlichkeiten in den Sattel eines Drahtesels. Beispiel dafür bildet die Fertigstellung eines neu gestalteten Radroutenabschnitts in Weiler bei Bürgermeister Dietmar Summer (67). Bei solchen Feierlichkeiten scheint die koalitionäre Welt (noch) in Ordnung: In einer Pressemitteilung wird jedenfalls die „Übereinstimmung von Wallner und Rauch“ betont.

Bekehrung Enthusiastisches Mitglied einer politischen Bewegung muss man nicht ein ganzes Leben lang sein. Wer von einer Partei nicht mehr überzeugt ist, kann sich neu orientieren. So auch in Götzis, wo die freiheitliche Ortsgruppe mit Bundes- und Gemeinderat Christoph Längle (39) im Mai 2019 geschlossen das Handtuch warf und damit den Blauen von Parteichef Christof Bitschi (28) ein für alle Mal den Rücken gekehrt hat. Während Bitschi bemüht ist, die Wogen zu glätten und hofft, bis zur Gemeindewahl 2020 eine neue Ortsgruppe gründen zu können, könnte Längle hingegen bald ein Parteibuch der Genossen besitzen: Christian Vögel (43, SP), der als Ortsparteichef nicht nur in Götzis als „umtriebiger Genosse“ gilt, wolle den Ex-Blauen zur Sozialdemokratie bekehren, heißt es in Götzis. Gespräche zwischen Vögel und Längle laufen jedenfalls.

Streit um Rechte Die an und für sich gute Zusammenarbeit zwischen Schwarz und Rot in Dornbirn wackelt. Parteichef und Stadtrat Gebhard Greber (64, SP) wirft der Volkspartei nämlich vor, zu internen Klubsitzungen regelmäßig Experten aus Abteilungen des Rathauses für Auskünfte aus erster Hand einzuladen, „um bei öffentlichen Sitzungen gegenüber Uninformierten die Nase vorn zu haben“. Stadtchefin Andrea Kaufmann (50, VP) nimmt den Roten den Wind aus den Segeln und rät ihnen, dasselbe zu tun. Ein Vorschlag, der, so Greber, nicht umzusetzen ist. Dann müsste zu jeder der zahlreichen internen Sitzungen ein Rathausmitarbeiter antanzen. Der rote Stadtrat will nun aber die Probe aufs Exempel machen und kündigt an, ab sofort Abteilungsleiter einzuladen. Gleichzeitig lädt er Freiheitliche, Grüne und Neos ein, sich ihm anzuschließen. Dann, so Greber, würde sich zeigen, ob in Dornbirn tatsächlich alle dieselben Rechte haben wie die Schwarzen.