Plastiktaschen können einpacken

29.06.2019 • 06:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Einwegkunststofftaschen sollen verboten werden. Die Vorgabe gilt ab dem nächsten Jahr, es gibt aber eine Übergangsfrist. APA

Verbot soll kommende Woche im Nationalrat beschlossen werden.

wien Einwegplastiktaschen seien das Überflüssigste der Welt, meint die Satteinserin Corinna Amann. „Man braucht sie nicht. Sie lassen sich einfach durch Mehrwegtaschen ersetzen, die man immer wieder verwenden kann.“ Amann, die in Satteins einen plastikfreien Laden betreibt und auch Vorträge zum Thema Leben ohne Plastik hält, befürwortet daher das geplante Verbot ab 2020. „Schon viele Länder haben das umgesetzt.“

ÖVP und FPÖ brachten im Juni einen Antrag für eine Änderung des Abfallwirtschaftsgesetzes in den Nationalrat. Die Novelle sieht ein Verbot von Kunststofftragtaschen vor. Kommenden Dienstag dürfte sie im Plenum beschlossen werden. Dafür reichen die Stimmen der ehemaligen Regierungspartner.

Verbot ab 1. Jänner

Bereits Ende 2018 hatte die frühere Bundesregierung das Verbot von Plastiktaschen ab 2020 angekündigt. Ende Mai sollte es dann vom Ministerrat abgesegnet werden. So weit kam es aber nicht. Nach Bekanntwerden des Skandalvideos mit Heinz-Christian Strache (FPÖ) zerbrach die Koalition, damit hing auch das Plastiktaschenverbot in der Luft. Nicht für lange. Jetzt soll es beschlossen werden.

Aus der Sicht der früheren Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) könnte die Änderung dazu beitragen, dass jährlich 5000 bis 7000 Tonnen an Plastikmüll vermieden werden. Sie soll ab 1. Jänner 2020 gelten. Eine Übergangsfrist ist aber vorgesehen. Befinden sich die Taschen bereits im Lager eines Betriebs, dürfen sie noch bis Ende 2020 verkauft werden. Nicht betroffen sind stabile Mehrwegtaschen aus Kunststoffgewebe mit vernähten Verbindungen oder vernähten Tragegriffen, die für den mehrmaligen Gebrauch konzipiert sind. Sehr leichte Kunststofftragtaschen („Obst-“ oder „Knotenbeutel“) bleiben erlaubt, sofern sie biologisch abbaubar sind und überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Ebenso können etwa auch Müllsäcke oder Gefrierbeutel weiter benutzt werden.

Man arbeite mit Hochdruck an Lösungen für die Zukunft, erläutert Julius Moosbrugger, Geschäftsführer der Fachgruppe Lebensmittelhandel in der Vorarlberger Wirtschaftskammer. Die Branche begegne einem Verbot mit Verständnis. Dass Lagerbestände nach der Übergangsfrist entsorgt werden müssen, könne aber nicht immer nachvollzogen werden. „Das trägt auch dem Umweltgedanken keine Rechnung.“ Mitunter seien Bestellungen aufgegeben worden, bevor klar war, dass es zum Verbot kommt. Außerdem würden sich Geschäfte mit hohen Kundenfrequenzen leichter tun, die Bestände abzubauen. Grundsätzlich spiele das Kundenverhalten eine große Rolle, meint der Wirtschaftskämmerer. Taschen aus Stoffmaterialien oder aus Kunststoff, die mehrmals verwendet werden können, würden bereits angeboten. Er glaubt: „Das Bewusstsein nimmt zu. Aber man muss das als einen langfristigen Prozess sehen.“

Einwegplastik lässt sich vermeiden, nicht nur bei den Lebensmitteln.

Corinna Amann, Aktivistin

Greenpeace geht das Verbot nicht weit genug. Die Umweltschutzorganisation fordert ein Aus für alle Gratiswegwerftaschen. Auch Corinna Amann meint: „Man könnte weiter gehen.“ Sie ist überzeugt davon, dass sich die Menschen immer mehr für den Plastikverzicht interessieren. In ihren Laden brächten sie ganz selbstverständlich Taschen und Gläser mit, um sie zu befüllen. Auch das Interesse an ihren Vorträgen nehme zu. Die Satteinserin lebt seit 2015 weitgehend ohne Plastik. „Einwegplastik lässt sich vermeiden. Nicht nur bei den Lebensmitteln, sondern bei Kosmetika oder Reinigungsmitteln. Das ist der größte Müllanteil.“