Empörung nach Racketes Festnahme

Politik / 30.06.2019 • 22:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kapitänin Carola Rackete wurde in Lampedusa festgenommen. reuters
Kapitänin Carola Rackete wurde in Lampedusa festgenommen. reuters

Sea Watch 3-Kapitänin rechtfertigt ihre Entscheidung.

rom Die Kapitänin des Rettungsschiffs Sea-Watch 3, Carola Rackete, hat ihre Entscheidung verteidigt, unerlaubt in den Hafen von Lampedusa zu fahren. „Die Situation war hoffnungslos. Und mein Ziel war es lediglich, erschöpfte und verzweifelte Menschen an Land zu bringen“, sagte die 31-jährige Deutsche über ihre Anwälte am Sonntag.

Rackete hatte sich in der Nacht auf Samstag über ein Verbot der italienischen Behörden hinweggesetzt und war mit dem Rettungsschiff Sea-Watch 3 nach tagelanger Irrfahrt durchs Mittelmeer im Hafen von Lampedusa eingelaufen. Sie habe den Hafen angesteuert, weil sie befürchtete, Migranten an Bord könnten ins Meer springen, sagte die Kapitänin. Da diese nicht schwimmen können, wäre dies Suizid gewesen. „An Bord war es bereits zu Selbstverletzungen seitens der Migranten gekommen.“ Ein Polizei-Schnellboot hatte die Landung zu verhindern versucht. Für ihr Ausweichmanöver entschuldigte sich Rackete. Italiens Innenminister Matteo Salvini ließ sie festnehmen. Der Kapitänin werden Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie die Verletzung italienischer Hoheitsgewässer vorgeworfen. Ihr drohen bis zu 15 Jahre Haft. 

Die Festnahme der Kapitänin in Italien hat in ganz Europa empörte Reaktionen hervorgerufen. Mehrere Spitzenpolitiker, darunter die Außenminister Deutschlands und Luxemburgs, Heiko Maas und Jean Asselborn, stellen sich hinter die Kapitänin und fordern ihre Freilassung. „Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden“, sagte Maas. Asselborn schrieb: „Menschenleben zu retten, ist eine Pflicht und sollte niemals ein Delikt oder ein Verbrechen sein. Im Gegenteil: Jemanden nicht zu retten, ist ein Verbrechen.“ 

In Italien wollen fünf oppositionelle Parlamentarier, die auf der Sea-Watch 3 waren, als Rackete trotz Verbots den Hafen Lampedusa ansteuerte, für die Kapitänin Zeugen  sein. „Wir waren in den letzten zwei Tagen vor der Landung an Bord des Schiffes und sind zur Aussage vor Gericht bereit“, so der Parlamentarier der Partei „+Europa“, Riccardo Magi. Für den Vatikan ist Menschenrettung vorrangig. „Ich glaube, dass Menschenleben auf jeden Fall gerettet werden müssen, egal auf welche Weise“, betonte der engste Mitarbeiter von Papst Franziskus, Kardinal Parolin. Alles andere sei zweitrangig.

Fünf EU-Länder werden Sea Watch 3-Flüchtlinge aufnehmen.