Aus fünf Festplatten wurde Staub

Politik / 23.07.2019 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Screenshot des vom „Falter“ veröffentlichten Videos, das M. beim Festplatten-Schreddern zeigen soll.
Screenshot des vom „Falter“ veröffentlichten Videos, das M. beim Festplatten-Schreddern zeigen soll.

Ex-Kanzleramtsmitarbeiter schredderte und tauchte unter. Reisswolf-Chef überrascht.

Wien Walter Maisinger heißt eigentlich Arno M. Er ist untergetaucht, nachdem bekannt wurde, dass er bei der Firma Reisswolf fünf Festplatten aus dem Bundeskanzleramt geschreddert hat. M. war zu dieser Zeit Social-Media-Chef des damaligen Kanzlers Sebastian Kurz (ÖVP). Zumindest online fehlt von ihm mittlerweile jede Spur. All seine Social-Media-Profile sind gelöscht, ebenso die Junge ÖVP und die Schülerunion haben sich in der digitalen Welt von ihm abgewandt. Nur ein Video von M., das ihn mit ÖVP-Animateur Peter L. Eppinger zeigt, war am Dienstagvormittag noch abrufbar. Nachmittags hieß es auch unter diesem Link: „Sorry, this content isn‘t available at the moment“ (der Inhalt ist derzeit nicht verfügbar).

Es ist der 23. Mai, als M. die Festplatten aus dem Bundeskanzleramt unter falschem Namen, mit falscher E-Mail-Adresse und dem Vermerk „privat“ schreddern lässt; sechs Tage nachdem das Skandalvideo aus Ibiza erscheint und vier Tage bevor der Regierung von Kurz das Misstrauen ausgesprochen wird. Als der Nationalrat das neue Kabinett entlassen hatte, hielt der ÖVP-Chef in der Parteiakademie seine erste Wahlkampfrede. Hinter ihm stand M. Ein Mitarbeiter von Reisswolf verfolgte die Übertragung und erkannte seinen Kunden „Maisinger“ wieder. Da M. der Firma seine richtige Telefonnummer hinterließ, konnte das Unternehmen ihn ausfindig machen. Die offene Rechnung von 76,45 Euro bezahlte er trotzdem nicht. So kam es zur Anzeige. Die Sonderkommission Ibiza übernahm den Fall. Sie vermutete, dass möglicherweise Beweismaterial vernichtet wurde. 

Kanzlerin Brigitte Bierlein hat inzwischen eine Prüfung der Schredder-Affäre in Auftrag gegeben. SPÖ, Neos und FPÖ wollen mittels parlamentarischer Anfragen herausfinden, wer die Datenvernichtung beauftragt hat und wer davon wusste.

Premiere für Reisswolf

Reisswolf-Geschäftsführer Siegfried Schmedler erklärt im „Falter“, dass die Vorgänge nicht gewöhnlich gewesen seien. In der 25-jährigen Geschichte des Unternehmens habe noch niemand unter falschem Namen und mit solchem Aufwand Festplatten vernichten lassen. M. habe sich nervös verhalten und wollte auf keinen Fall die Festplatten aus der Hand geben, schildert Schmedler. Zudem habe er auf drei Schredder-Durchgänge bestanden. Am Ende kehrte ein Mitarbeiter den Metallstaub zusammen. M. nahm den Abfall mit. VN-ebi

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