In Vorarlberg schließen immer mehr Asylquartiere

Politik / 27.07.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Den Höhepunkt erreichte die Flüchtlingsbewegung in den Jahren 2015 und 2016. APA

Zahl der Anträge sinkt deutlich. Im Land ist man aber für Schwankungen gerüstet.

Birgit Entner-Gerhold

WIen Langsam schließen die Asylquartiere im Land ihre Tore. Von jenen 240, die es Mitte 2016 gab, sind derzeit noch 100 offen, berichtet Bernd Klisch, Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe: „Pro Monat haben wir 40 bis 50 Klienten weniger. Wir sind also massiv am Rückbauen.“ Aktuell schließe die Caritas im Durchschnitt pro Woche ein Quartier. Gleichzeitig würden die Mitarbeiterzahlen reduziert, berichtet Klisch. 

Immer weniger Flüchtlinge kommen ins Land. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 ging die Zahl der Asylanträge von Jänner bis Ende Juni 2019 um knapp 20 Prozent zurück. 5799 Ansuchen wurden laut Statistik des Innenministeriums in diesem Zeitraum österreichweit gestellt. Das sind 1439 weniger als im Vorjahr. 

Ihren Höhepunkt erreichte die Flüchtlingsbewegung vor drei bis vier Jahren. Allein in den ersten sechs Monaten 2015 stellten 28.500 Asylwerber einen Antrag. Im ersten Halbjahr 2016 waren es 25.700. In Vorarlberg befanden sich in dieser Zeit laut Klisch rund 3000 Flüchtlinge in  Grundversorgungsquartieren. Heute sind es noch etwa 1400. Für knapp 100 von ihnen endete das Asylverfahren bereits rechtskräftig negativ. Weitere 600 von ihnen überbrücken die Zeit, in der sie sich auf Wohnungssuche befinden, in der Grundversorgung. 706 Flüchtlinge befinden sich derzeit in einem Asylverfahren, das sind drei weniger als Anfang Juni. 629 von ihnen haben bereits die zweite Instanz beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG) erreicht. Österreichweit sind noch über 31.000 Verfahren offen, knapp 27.500 davon in zweiter Instanz. Laut BVwG wurde 2017 und 2018 die Hälfte der Fälle binnen sechs Monaten abgeschlossen, die anderen Verfahren dauerten länger.

Die Zahlen schrumpfen weiter. Daher sei mit dem Land vereinbart, die Flüchtlingsquartiere entsprechend zurückzubauen, berichtet Klisch. Eine gewisse Bereitschaftskapazität werde die Caritas aber aufrechterhalten. Der Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe glaubt, dass sich die Zahl auf einem Niveau der Jahre 2012 bis 2014 einpendeln wird und im Land rund 1000 Plätze für Asylwerber in Grundversorgungsquartieren behalten werden. „So stehen wir bei Schwankungen nicht unvorbereitet da“, sagt Klisch. 

Österreichweit stellten heuer die meisten Asylanträge Afghanen mit gut 1300 Ansuchen vor Syrern mit knapp 1200. Deutlich dahinter folgen Iraner, Iraker und Bürger der Russischen Föderation. Die beste Chance auf Asyl haben Syrer, deren Anträge zu 89 Prozent positiv beschieden wurden, gefolgt von Iranern (71 Prozent) und Somalis (55 Prozent). Bei Afghanen wurden 47 Prozent der Anträge positiv entschieden.

Asylzahlen 2019

5799 Asylanträge wurden im ersten Halbjahr gestellt. Das letzte Jahr, in dem es weniger gab, war 2008.  

5005 Asylanträge wurden heuer positiv, 5243 negativ bewertet. Subsidiären Schutz gab es 1100, humanitäre Aufenthaltstitel 966 Mal.  

31.204 Verfahren sind derzeit offen. 2018 waren über 37.000 Verfahren offen, 2017 mehr als 56.000, 2016 über 76.000 und 2015 knapp 80.000.